• Archiv

  • Partner

  • TRÄUMEreihen -1-

    Träume sind absolut. Unnötig. Quatsch. Illusion. Fern und doch so nah. Einmalig. Unwiderbringbar. Träume sind dein Glück. Sie bringen deine Gefühle in Bildern zurück. Sie erinnern dich an deinen Weg. “Träume dich reich”, und du wirst nie wieder arm sein.

    Fiou liegt auf seinem Bett, soeben aufgewacht, die Augen zur Decke starrend. Er hat grimmige Gedanken: Ist das seine Vorstellung von dem Leben, das er gesucht hat? Hier an diesem anonymen Ort zu sein, alleine, in einer kleinen Wohnung? Draußen regnet es seit Tagen und der starke Wind rüttelt an den Fenstern. Fiou hat keine Lust mehr, sich aus der Wohnung zu begeben. Er hat aber auch keine Lust, hier immer festzuhängen. Er wünscht sich dorthin, wo er eben noch im Traum war. Der Traum hat ihn wieder daran erinnert, was tief in ihm wohnt: Die Sehnsucht nach einem aufregenden Leben.

    Fiou wuchs mit seinen zwei jüngeren Schwestern in einer gut bürgerlichen Umgebung auf, in einer Kleinstadt, in der alles so war, wie es immer war: Saubere hübsche Häuser, unbelebte Straßen, Nachbarn, die man schon ewig kannte. Junges, mit denen er Fußball spielte, Mädchen die ihn nicht beachteten. Schon damals wollte er mehr: Mehr Abwechslung, mehr Abenteuer. Mit 20 zog er weg, ohne zu wissen, wie es weitergehen sollte. Er zog in eine Großstadt, in der er anonym war und wo er nichts kannte, weit weg von seinem Elternhaus, weit weg von allem Gewohnten. Weit genug, um sich zu entdecken.

    Jeden morgen geht er zu seinem Job und kommt am späten Nachmittag zurück in seine Wohnung. Manchmal, wenn er nach Hause kommt, trifft er an den Briefkästen im Erdgeschoss eine junge Frau. Ohne sie richtig anzusehen bringt er nicht mehr als ein ein tonloses “Hallo” heraus. Was soll er auch sagen. Wenn er dann in seine Wohnung kommt legt er sich meistens auf sein Bett und überlegt, was er noch unternehmen soll. Viel hat er noch nicht unternommen, viel hat er noch nicht entdeckt. Meistens schläft er darüber ein. Und täumt dann immer wieder die gleiche “Szene”: Es ist Sommer, er liegt zusammen mit einer jungen Frau auf einer Wiese unter Bäumen. Er hat den Oberkörper frei und trägt eine zerschließene Jeans, sie hat einen Bikini an. Er hält sie im Arm, spürt ihre weiche Haut, und fängt an, sie zu streicheln. Sie hebt ihr Gesicht, küsst ihn, und öffnet seine Jeans. Das erregt ihn so sehr, dass er genau in diesem Moment wach wird. Immer wieder genau dann.

    Es klingelt an der Wohnungstür. Bislang hat Fiou noch nie Besuch bekommen. Schon seit einigen Monaten hat er seine Familie nicht mehr besucht und sie immer abgewimmelt, wenn es hieß, sie kämen ihn besuchen. Er weiß gerade nicht, ob er genervt sein soll von der Unterbrechung oder erfreut. Dennoch steht er langsam auf und geht zur Wohnungstür. Vor der Tür steht eine junge Frau. Eine junge Frau, die ihm auf den ersten Blick gefällt mit ihren dunkel gelockten Haaren, klaren Augen und vollen Lippen. Er schaut sie irritiert an. Sie schaut ihm offen und direkt in die Augen. Es ist die junge Frau von den Briefkästen. Sie sagt nichts, drückt die Tür ein wenig weiter auf und tritt einfach in seine Wohnung ein. Da steht sie nun in seinem Zimmer, schaut sich kurz um, tritt noch ein Stück näher an ihn heran und sagt zu ihm: “Ich mag vertäumte Typen”…

    Ella

    Jetzt twittern

    April 5, 2009 | Filed Under Geschichten 

    Comments

    Haben Sie eine Anmerkung?