Roman

Sie schreckte hoch, blickte hektisch um sich und wusste im ersten Moment nicht, wo sie war. Ihr Gesicht war von kaltem Schweiß überzogen und ihr Herz raste.
Das Fenster ihres Schlafzimmers war angekippt und im schwachen Schein des Mondes erkannte sie die Gardinen, die sich sachte hin- und her bewegten. Alle ihre Sinne waren hochgradig sensibilisiert. Da- was war das? Unweit ihres Fensters vernahm sie Stimmen – männliche, flüsternde Stimmen, es schienen mindestens zwei zu sein.

Sie stieg aus dem Bett, schlich barfuß ans Fenster und hockte sich nieder, um nicht gesehen zu werden.Die Stimmen kamen eindeutig von draußen, aus dem Teil des Gartens, dessen Begrenzung eine gelb blühende Hibiskushecke bildete. Sie konnte, so sehr sie sich auch anstrengte, nur einzelne Wortfetzen verstehen. Die Männer sprachen Spanisch und ihre Unterhaltung klang sehr aufgeregt.

Mareike wurde es immer unbehaglicher zumute. Sie hatte das Gefühl, in einer Falle zu sitzen. Würde sie jetzt noch weggehen, träfe sie auf Carlo, der sich sicher wundern würde. Nachts um zwei war wahrlich auch auf Teneriffa noch kein Sonnenaufgang zu bewundern. Würde sie ihre Wohnung durch das Fenster verlassen, liefe sie den Männern sicher in die Arme und würde durch ein offen stehendes Fenster jeden Einbrecher persönlich einladen.
‘Scheiße’, entfuhr es Mareike und mit einem Seufzer ließ sich sich ganz auf den Boden gleiten und saß nun unterhalb der Fensterbank.
Wieder lauschte sie den Stimmen und war sich nach einer Weile ganz sicher, Fernandos Stimme herauszuhören.
Sie zog sich mit zitternden Händen einen Jogginganzug an, nahm all ihren Mut zusammen und schloss leise ihre Schlafzimmertür auf.
Was war schon dabei, nachts in seinen Garten zu gehen und mit dem Nachbarn zu plaudern? Sie musste die Hürde ‘Carlo’ nehmen, hoffte, dass er schlief und ihren Weggang nicht bemerkte.
Sie hatte das Gefühl, jeder müsse ihr Herz pochen hören, ihr den Blutdruck in schwindelerregenden Höhen ansehen und ihre hektischen Flecken sehen, die sich unter Stress wie Pilze auf ihrem gesamten Körper ansiedelten.

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