Roman

Carmens Kopf sank vor Erschöpfung auf ihre Brust. Seit unzähligen Stunden saß sie an Carlos Bett und hoffte auf eine Reaktion seines Körpers. Nur das Summen und Piepen der Überwachungsgeräte war zu hören. Carlos lag still und regungslos in den weißen Kissen, die Augen geschlossen.
In welcher Sphäre zwischen Leben und Tod er sich befand, wagte niemand zu sagen.
Carmen hatte sich bittere Vorwürfe gemacht, als Fernando sie angerufen und ihr von dem Unfall berichtet hatte. Sie hatte seinen aggressiven Unterton gespürt und wusste, dass auch er sie für den Unfall verantwortlich machte, ohne es auszusprechen.

Als sie in der Klinik eintraf und er ihr von dem Ausgang der Operation berichtete, machte er keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen sie und ließ sie mit den Worten “Wenn Carlo stirbt, mache ich dich dafür verantwortlich” einfach stehen.

Seitdem war sie nicht mehr von Carlos Seite gewichen. Mehrfach schon hatte das Dienst habende Personal sie angesprochen. “Senora Rodriguez, fahren Sie nach Hause und ruhen Sie sich aus. Sie können ihrem Freund nicht helfen. Es liegt jetzt alles in Gottes Hand.”

Aber Carmen blieb.
Sie schreckte hoch, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte und drehte sich um. “Ich löse dich ab. Geh nach Hause,” vernahm sie knapp Fernandos Worte. Sie hatte keine Kraft mehr und wusste, dass er Recht hatte. Müde und mit bleiernen Knochen erhob sie sich, nickte ihm kurz zu und wandte sich zum Gehen. “Ruf mich bitte sofort an, wenn sich etwas verändert”, bat sie ihn flüsternd.

Nachdenklich sah Fernando ihr nach …

Comments

Haben Sie eine Anmerkung?





  • Der Schicksals-Code

  • Geschenk-Tipp



  • Ella's Geschichten


    Sun, 28 Jun 2009

    “Ich hab´keinen Bock mehr, verdammt, ihr könnt mich mal”, fluchte Merle vor sich hin, während sie die herumliegenden Zeitungen vom Fußboden ihrer Wohnung aufsammelte. Marc hatte – wie jeden Morgen – alles einfach liegen gelassen. Er kümmerte sich nie um die banalen Alltäglichkeiten in ihrer gemeinsamen Woh …


    Fri, 29 May 2009

    Neulich, an einem sehr heißen Tag im Sommer. Bea war zusammen mit drei Freundinnen in eine Wohngemeinschaft in einer Kleinstadt im Süden gezogen. Hier wollte sie nur für die Zeit des Studiums leben. Sie waren zu Viert in der Wohnung, jede von ihnen hatte ein etwa 13 Quadratmeter großes Zimmer, es gab eine kleine Wohnküche in der …


    Mon, 25 May 2009

    Caro ist umgezogen, endlich, endlich hatte sie die heißersehnte Dachmaisonettewohnung mit Blick auf den nah gelegenen Fluss bezogen. Nach langer Zeit hat sie mal wieder das Gefühl, angekommen zu sein. Sie hatte zahlreiche Wohnungen besichtigt, bis sie endlich diese, die schönste gefunden hatte. Während der Besichtigung dieser Da …


    Mon, 18 May 2009

    Grundsätzlich werden Männer vom Älter- und Einsamwerden überrascht, sie sind nicht darauf vorbereitet, achten auch nicht auf die ersten Anzeichen, nein, sie stellen urplötzlich fest, dass sie sich körperlich und gefühlsmäßig verändert haben. So auch der Großstadtprinz. Er lebt seit vielen Jahren in einem wunderschönen dur …


    Fri, 08 May 2009

    Kaum hatte Bella die Haustür aufgeschlossen, klingelte das Telefon, dreimal, viermal, wann hörte das Klingeln endlich auf, fünfmal, sechsmal, sie versuchte es zu ignorieren, sie wollte nicht mit ihm sprechen. Klar, er wusste, wann sie von der Arbeit nach Hause kam, er kannte ihren Tagesablauf, sie, ihre Gewohnheiten. Aber es war au …


    Sat, 18 Apr 2009

    Träume sind absolut. Unnötig. Quatsch. Illusion. Fern und doch so nah. Einmalig. Unwiderbringbar. Träume sind dein Glück. Sie bringen deine Gefühle in Bildern zurück. Sie erinnern dich an deine Wünsche. “Träume dich reich”, und du wirst nie wieder arm sein.

    Und wieder einmal ein Geburtstag, wieder ei …

  • Letzte Kommentare