Roman
Carmens Kopf sank vor Erschöpfung auf ihre Brust. Seit unzähligen Stunden saß sie an Carlos Bett und hoffte auf eine Reaktion seines Körpers. Nur das Summen und Piepen der Überwachungsgeräte war zu hören. Carlos lag still und regungslos in den weißen Kissen, die Augen geschlossen.
In welcher Sphäre zwischen Leben und Tod er sich befand, wagte niemand zu sagen.
Carmen hatte sich bittere Vorwürfe gemacht, als Fernando sie angerufen und ihr von dem Unfall berichtet hatte. Sie hatte seinen aggressiven Unterton gespürt und wusste, dass auch er sie für den Unfall verantwortlich machte, ohne es auszusprechen.
Als sie in der Klinik eintraf und er ihr von dem Ausgang der Operation berichtete, machte er keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen sie und ließ sie mit den Worten “Wenn Carlo stirbt, mache ich dich dafür verantwortlich” einfach stehen.
Seitdem war sie nicht mehr von Carlos Seite gewichen. Mehrfach schon hatte das Dienst habende Personal sie angesprochen. “Senora Rodriguez, fahren Sie nach Hause und ruhen Sie sich aus. Sie können ihrem Freund nicht helfen. Es liegt jetzt alles in Gottes Hand.”
Aber Carmen blieb.
Sie schreckte hoch, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte und drehte sich um. “Ich löse dich ab. Geh nach Hause,” vernahm sie knapp Fernandos Worte. Sie hatte keine Kraft mehr und wusste, dass er Recht hatte. Müde und mit bleiernen Knochen erhob sie sich, nickte ihm kurz zu und wandte sich zum Gehen. “Ruf mich bitte sofort an, wenn sich etwas verändert”, bat sie ihn flüsternd.
Nachdenklich sah Fernando ihr nach …
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