Roman
Als Martin sich am anderen Ende der Leitung meldete, biss sich Nora nervös auf die Unterlippe. Ihr sorgsam zurecht gelegte Entschuldigung hatte sich in Nichts aufgelöst und sie wusste nicht, wie sie anfangen sollte. “Hier ist Nora, bitte leg nicht gleich auf.” Am anderen Ende der Leitung – Schweigen. Umständlich erklärte sie Martin, aus welchen Gründen sie den harmlosen Autounfall so aufgebauscht hatte. Es sprudelte nur so aus ihr heraus, Martin, den sie kaum kannte, ihre Lebensgeschichte so zu offenbaren, als säße sie einem Therapeuten gegenüber. Bis auf ihre Diagnose wusste er nun alles und sie hoffte auf eine Reaktion von ihm – vergeblich. Erst als sie leise sagte “Bitte, verzeih mir,” vernahm sie ein verlegenes Räuspern am anderen Ende der Leitung. “Schon gut. Ich wünsche dir alles Glück der Welt. Davon scheinst du ja genug zu brauchen. Und, wenn du jemanden zum Quatschen brauchst, weißt du ja, wie du mich erreichst.” Das Besetztzeichen verriet Nora, dass er aufgelegt hatte.
Nun konnte sie sich erst einmal zurücklehnen und auf Julio und die Ankunft ihres Vaters warten.
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