Roman

Als Mareike am späten Abend alleine auf ihrer Terrasse saß und darüber nachdachte, dass es in ihrem Leben seit Wochen turbulenter zuging als in den letzten Jahrzehnten, musste sie schmunzeln. Sie fühlte sich wie eine Schlange, die ganz langsam ihre Haut abgelegt hatte. Sie, die eigentlich lieber an Gewohntem und Vertrautem festhielt, war dabei, alles hinter sich zu lassen.

Viel zu lange hatte sie auf Martin gewartet, der sie doch immer wieder enttäuscht hatte und bei dem Anschein einer fester werdenden Beziehung gleich wieder kalte Füße bekommen hatte. Ihr Weggang hatte ihn sogar dazu gebracht, ihr nach Teneriffa zu folgen. Hätte sie nicht Julio und eine Leidenschaft kennen gelernt, zu der sie sich niemals fähig geglaubt hatte, wäre sie bei Martin möglicherweise wieder schwach geworden. Sie hatte ihn abgewimmelt wie eine lästige Schmeißfliege. Er hatte nun damit zu tun, endlich erwachsen zu werden, sollte sich doch eine andere um diesen spätpubertierenden großen Jungen kümmern.

Ihren Job, den sie einst sehr geliebt hatte, der aber im Laufe der Jahre nur noch reine Routine geworden war, musste sie bald kündigen, denn ihr unbezahlter Urlaub ging bald zu Ende. Sie würde einige ihrer Kolleginnen und Kollegen vermissen, aber auch Bekanntschaften haben manchmal ein Verfallsdatum. Für ihre Wohnung hatte sie einen Nachmieter, der ihre Möbel übernehmen würde und was sie sonst noch brauchte, Kleinigkeiten und ihre persönlichenHabseligkeiten, ließen sich hierher befördern.

Ihre Eltern lebten derzeit in Indien und hatten vor, sie bei nächster Gelegenheit auf Teneriffa zu besuchen. Ihr älterer Bruder Max lebte mit seiner amerikanischen Frau und seinen reizenden beiden Kindern in Kalifornien und was sonst noch mit ihrem Blut in den Adern in Deutschland herum lief, war ihr nicht so wichtig, dass es sie in die Heimat zurück gezogen hätte. Graues, nebeliges deutsches Winterwetter hatte sie sowieso immer gehasst und der Frühling und der Sommer waren hier auf Teneriffa ein Traum. Von Winter war hier wenig zu spüren, außer, dass es später hell und früher dunkel wurde und abends ein Pullover ganz angebracht war.

Und nun hatte sie einen Mann an ihrer Seite, der sie liebte, den sie aber auch kaum kannte. Sie war jung genug, sich auf ein Abenteuer einzulassen, hatte eine Wohnung, eine Arbeit und war unabhängig. Was konnte ihr außer einer Enttäuschung mit Tränen und Herzschmerz passieren? Sie war fest entschlossen, die notwendigen Schritte in die Wege zu leiten und ihre Brücken in Deutschland ganz abzubrechen. Mit diesem Entschluss leerte sie ihre Flasche Vino Tinto und fiel in bester Stimmung in ihr Bett. Sie hatte die nächsten zwei Tage frei und wollte die Seele so richtig baumeln lassen.

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