Roman
Michael atmete tief durch, als er die Flughafenhalle verließ und mit seinem Gepäck nach einem Taxi Ausschau hielt. Strahlender Sonnenschein empfing ihn auf der Insel, wenn das kein gutes Omen war.
Während das Taxi die Autopista gen Norden fuhr, ließ er die letzten Tage Revue passieren. Er hatte sämtliche Verpflichtungen und Zwänge in Deutschland hinter sich gelassen und freute sich, nur noch für sein kleines Hotel da sein zu können. Das Schlimmste war die nervenaufreibende Auseinandersetzung mit Charlotte, seiner Verlobten, gewesen. Sie war ihm schon lange mit ihren extravaganten Expansionsplänen auf den Wecker gegangen. Wieso hatte sie das kleine, gemütliche Reisebüro ihres verstorbenen Vaters nicht so weiterführen können, wie es auch in dessen Sinn gewesen wäre? Sie hatten einen festen Kundenstamm, ihre Kunden waren stets zufrieden mit Charlottes uns seiner persönlichen Beratung und Betreuung gewesen und einen festen Stamm für Michaels kleines Hotel auf Teneriffa, das er sich vom Erbteil seiner Großmutter geleistet hatte, hatten sie dadurch auch.
Er war es Leid geworden, sich ständig nach Charlottes Plänen und Vorstellungen zu richten. Schon lange hatte sie ihn nicht wie ihren Partner, sondern wie ihren Handlanger behandelt , ihn hierhin und dorthin geschickt und alle seine Einwände beiseite geschoben. Er hatte ihr alles vor die Füße geworfen, den Verlobungsring, die geschäftliche Beziehung und hatte seine Sachen gepackt. Die Villa ihres Vaters war sowieso nie sein Zuhause geworden, denn auch da regierte Charlottes deutliche Handschrift, wohin man auch blickte. Charlottes Reaktion, ein Tränenausbruch nach einem Wutanfall, bei dem einige Teile des kostbaren Geschirrs zu Bruch gingen, gefolgt von einem Pseudo-Nervenzusammenbruch hatte ihn nicht mehr zur Umkehr bewegen können.
Bis zu seinem Abflug nach Teneriffa wohnte er bei seinem Eltern, die zwar die Trennung von Charlotte ohne Schwierigkeiten akzeptierten, da ihr Wunsch nach einer passenden Schwiegertochter mit Charlotte alles andere als erfüllt war, ihn jedoch nicht auf Dauer so weit weg wissen wollten.
Michaels Entschluss stand fest, er würde auf Teneriffa bleiben und sich um sein Hotel kümmern. Vielleicht hatte Nora sich mittlerweile gefangen und er hätte eine reelle Chance bei ihr.
Als er die Straße nach Puerto hineinfuhr, nahm er sich vor, nach dem Duschen und Auspacken nach Nora zu suchen. Er vermutete sie nicht mehr im Krankenhaus, sondern wieder in ihrem Hotel. Dass Nora längst wieder in Deutschland sein könnte, kam ihm gar nicht in den Sinn.
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