Roman
Mareike sonnte sich gerade in ihrem Garten, als das Telefon klingelte. Seufzend erhob sie sich von ihrer Liege und eilte in den kleinen Flur ihrer Wohnung. Es knackte kurz in der Leitung, bis sich der Teilnehmer meldete. Er sprach sehr schnell, so dass Mareike nicht gleich verstand, was er ihr mitteilen wollte. Nur mit Mühe konnte sie die Worte ordnen. Es war ihr Vater und er bat sie, nach Deutschland zu kommen. Mareikes Mutter hatte einen Schlaganfall erlitten und verlangte nach ihrer Tochter. Noch immer lag sie an Schläuchen auf der Intensivstation des städtischen Krankenhauses. Mareike stiegen Tränen in die Augen. Sie liebte ihre Eltern und konnte sich nicht vorstellen, einen von den Beiden zu verlieren. Mit wenigen Worten teilte sie ihrem Vater mit, dass sie die nächstmögliche Maschine nach Deutschland nehmen würde. Danach beendete sie das Gespräch und packte in fliegender Hast ein paar Sachen in ihren Koffer. Anschließend nahm sie die Autoschlüssel ihres Mietwagens und raste mit diesem zum Flughafen. Mareike hatte Glück. Sie musste nicht lange warten und saß kurze Zeit später im Flieger nach Deutschland. Ständig kreisten ihre Gedanken um die Eltern, welche ständig für sie, Mareike, da waren. Die Flugbegleiter waren sehr nett zu ihr. Sie mussten spüren, dass Mareike ängstlich und unruhig war. Ihr Sitznachbar versuchte, Mareike in ein Gespräch zu verwickeln, worauf die sonst so freundliche junge Frau genervt und unwirsch reagierte. Dabei gab er sich wirklich Mühe, Mareike auf andere Gedanken zu bringen. Er ahnte ja nichts von Mareikes Sorgen und dachte, Mareikes Ängstlichkeit war der Flugangst zuzuschreiben. „Ich heiße Stefan. Möchten Sie sich nicht ein bisschen unterhalten?“, fragte er vorsichtig. Mareike schaute ihn mit großen Augen an. Der Typ konnte schon nerven. Wenn sie nicht solche Angst um ihre Mutter hätte, würde sie sicher ein Gespräch mit diesem attraktiven jungen Mann begrüßen. Er hatte schwarze lange Haare, die zu einem losen Zopf im Nacken zusammengebunden waren. Leuchtend blaue Augen sahen sie interessiert an. Mareike musste schlucken. Irgendetwas an diesem Mann verunsicherte sie. Auf eine nicht zu beschreibende Art fühlte sie sich zu diesem Unbekannten hingezogen. Noch immer sah er sie fragend an. Mareike stammelte: „Bitte lassen Sie mich in Ruhe. Ich möchte ein bisschen schlafen.“ Stefan schmunzelte leicht und neigte zustimmend seinen Kopf. Mareike schloss die Augen und versuchte, an gar nichts mehr zu denken. Doch immer wieder schlichen sich Bilder ihrer Eltern in ihr Gedächtnis. Tränen begannen aus ihren Augen zu laufen. Plötzlich fühlte sie ein Taschentuch in ihrer Hand. Verwundert öffnete sie ihre Augen. Stefan nahm ihr das Taschentuch wieder aus der Hand und tupfte vorsichtig ihre Tränen weg.“ Möchten Sie über ihren Kummer reden schöne Unbekannt?“ Mareike schüttelte den Kopf, doch antwortete: „Ich heiße Mareike.“ Stefan nahm Mareikes Kopf und bettete ihn an seine Schulter. „Schlafen Sie ein paar Minuten Mareike. Danach sieht bestimmt alles freundlicher aus.“ Mareike wusste, dass das nicht stimmte, schloss aber die Augen und war unter dem beruhigenden Streicheln der Männerhand kurze Zeit später eingeschlafen.
Carlo wanderte ruhelos in Mareikes Wohnung hin und her. Wo war sie abgeblieben? Nirgendwo konnte er eine Zeile von ihr entdecken. Das Handy war abgeschaltet. Carlo fuhr sich durch seine Haare. Ihm gingen verschieden Gedanken durch den Kopf. Kurz entschlossen griff er zum Handy. Nachdem sich eine verführerische Stimme gemeldet hatte, fauchte Carlo: „Carmen, ich muss dich sprechen.“
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