Roman

Als das Flugzeug zur Landung ansetzte, erwachte Mareike aus ihrem kurzen Schlaf. Unsicher sah sie zu ihrem Nachbarn. Jetzt war sie doch tatsächlich in seinen Armen eingeschlafen. Stefan lächelte ihr beruhigend zu. Mareike sah schnell aus dem Fenster. Ihre Gedanken wanderten wieder zu ihrer Mutter und schon war der Mann neben ihr vergessen. Kaum war die Maschine gelandet, als Mareike schon aus ihrem Sitz sprang und dem Ausgang zustrebte. Zum Glück war das Flugzeug nur mäßig besetzt, so dass sie schnell im Flughafengebäude ankam. Dort sah sie sich nach einem Taxi um. Doch nirgends konnte Mareike eins entdecken. Seltsam, sonst gab es doch immer welche. Mareike erinnerte sich an ihren Abflug und musste seufzen. So viel war seither geschehen. Sie musst an Carlo denken. Sicher war der nicht begeistert, dass sie ohne ein Wort nach Deutschland geflogen war. Heute Abend musste sie ihn unbedingt anrufen. Doch nun musste erst einmal ein Taxi her, welches Mareike ins Krankenhaus brachte. „Kann ich Ihnen helfen?“, fragte eine bekannte Stimme hinter ihr. Mareike drehte sich um und sah in Stefans blaue Augen. „Ich suche ein Taxi und kann keins finden“, fauchte Mareike zornig. „Wohin müssen Sie denn Mareike? Vielleicht kann ich sie mitnehmen.“ „Ich muss ins städtische Krankenhaus. Dort liegt meine Mutter auf der Intensivstation.“ Bei diesen Worten begannen Mareike Tränen aus den Augen zu stürzen. Langsam hielten das ihre Nerven nicht mehr aus. „Dann kommen Sie zu meinem Wagen. Wir haben den gleichen Weg. Mein vollständiger Name ist Dr. Stefan Haasler. Wir haben die gleiche Richtung.“ Mareike schaute zweifelnd auf den jungen Mann. Das sollte ein Doktor sein. Eigentlich konnte sie doch nicht ohne weiteres mit einem Fremden mitfahren. Doch die Angst um ihre Mutter ließ Mareike nicht länger zögern. Sie nahm das Angebot an und ging mit Stefan zum Parkplatz. Er geleitete sie zu einem schwarzen Jeep, warf das Gepäck in den Kofferraum und forderte Mareike zum Einsteigen auf. Als Mareike ihren Platz eingenommen hatte, klingelte ihr Handy. Seufzend und angstvoll meldete sich Mareike. In kurzen Worten teilte man ihr mit, dass ihre Mutter die nächsten Stunden nicht mehr überleben würde. Wenn möglich, sollte sie, Mareike, sofort ins Krankenhaus kommen. Mareike ließ das Handy sinken und sah Stefan voller Entsetzen an. „Ich muss sofort ins Krankenhaus“, flüsterte sie tonlos. Stefan manövrierte den Jeep aus der Parklücke und sauste in Richtung Krankenhaus. Mareike saß erstarrt auf ihrem Sitz. Sie bekam von der Fahrt nicht viel mit. Erst als Stefan die Autotür öffnete, begriff Mareike, dass sie am Krankenhauseingang angekommen waren. Sie wollte gerade das Auto verlassen, als sie ihren Vater sah. Er saß auf eine Bank, hatte die Hände vor dem Gesicht und Mareike konnte seine Schultern zucken sehen. Ihr Vater weinte. Mareike hatte ihren Vater selten weinen sehen. Der Anblick versetzte ihr einen zusätzlichen Schock. Sie sprang aus dem Wagen und rannte zu dem Verzweifelten. Vor ihm ging sie in die Hocke und legte beide Arme um seinen Körper. Ihr Vater hob sein Gesicht und sah Mareike mit tränenüberströmten Gesicht an. „Sie ist tot“, war alles, was er sagte. Mareike erhob sich und das Krankenhaus begann sich vor ihren Augen zu drehen. Sie wäre gestürzt, wenn Stefan sie nicht aufgefangen hätte.

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