Im Chaos der Gefühle

Leise schloss Stefan die Tür hinter sich und näherte sich Mareikes Bett. Sie schlief. Sie war blass und hatte dunkle Ringe unter den Augen, die sie am Abend vorher, als sie sich getroffen hatten, geschickt überschminkt hatte.

Was Mareike in den letzten Wochen und Monaten erlebt und durchgemacht hatte, wusste Stefan nur zum Teil, von dem Moment an, als sie sich im Flugzeug kennen gelernt hatten und sie auf dem Weg zu ihrer schwer kranken Mutter war.
Er hatte einen Blick in ihre Krankenakte geworfen und ein sorgenvoller Zug legte sich um seinen Mund. Mareikes vegetatives Nervensystem war ziemlich aus den Fugen geraten. Sie hatte bei der Aufnahme über Schweißausbrüche, Herzrasen und ein Rauschen im Ohr geklagt. Der Verdacht eines Hörsturzes hatte sich bestätigt. Ihr EKG war zwar unauffällig, aber der Blutdruck war viel zu hoch. In der Aufnahmestation hatte es den behandelnden Arzt viel Mühe gekostet, Mareike zu überreden, sich einer gründlichen stationären Untersuchung und Beobachtung zu unterziehen. Mareike war in Tränen ausgebrochen und erst, nachdem der Arzt sich aus ihrem Gestammel und den Wortfetzen ein Bild machen konnte, war ihm klar geworden, weshalb Mareike sich so sehr einer stationären Aufnahme widersetzte. Wenige Wochen zuvor war ihre Mutter hier gestorben. Aber nach einem weiteren Gespräch mit ihrem Vater, der außer sich vor Sorge war, willigte Mareike ein und wurde in der Neurologie aufgenommen.

Sie hatte eine Beruhigungsspritze bekommen und schlief. Stefan wollte sie nicht wecken und zog sich in das Dienstzimmer seiner Station zurück. Er hatte noch einige Stunden Zeit, bis sein Nachtdienst begann, genug Zeit, um Mareikes Verlegung von der Neurologie auf seine Station zu regeln. Wenn Mareike erwachte, war er bei ihr.

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