Stufen der Lust
Michael konnte seinen Augen kaum trauen. Da saß seine Ex-Verlobte, die offensichtlich nicht wenig Champagner getrunken hatte und benahm sich wie das letzte Flittchen. Innerlich schüttelte es ihn – diese Frau hatte er einmal geliebt, sehr sogar. Doch jetzt erkannte er, dass er nur ein Spielball in ihren Händen gewesen war. Sollte sie sich doch mit diesem Julio abgeben – ‘die beiden haben sich verdient!’, dachte Michael und ging festen Schrittes wieder zur Rezeption zurück.
Charlotte hatte bemerkt, dass sich Michael wieder an seinen Arbeitsplatz zurückging und zog sich abrupt von Julio zurück. Verständnislos schaute Julio in Charlottes Augen. “Was soll das?”, fragte er mit einem ärgerlichen Unterton. “Weißt Du eigentlich, was Du willst?”
Charlotte kicherte champagnerselig, nippte an ihrem Glas und streichelte über Julios Oberschenkel. “Sicher, aber so ein Zögern macht dich doch bestimmt so richtig heiß? Ich brauche noch etwas zu trinken”, fügte sie hinzu und hob ihr Glas in Richtung des Barkeepers.
“Ich denke, dass du genug hast!”, Julio dachte daran, wie der Abend wohl weiter gehen würde. Sollte Charlotte noch mehr trinken, dann wäre es sicherlich nicht so erfüllend für ihn. Er war gierig nach ihrer Leidenschaft, die aber mit steigendem Alkoholgenuss sinken würde. Auf eine Frau, die betrunken und schlafend neben ihm liegen würde, hatte er einfach keine Lust. Er nickte dem Barkeeper zu – dieser verstand Julios Geste und stellte die Champagnerflasche wieder in den Kühlschrank.
Julio griff Charlottes Hand, neigte seinen Kopf an ihr Ohr und flüsterte ihr etwas zu, dass ihrerseits mit einem aufseufzenden, leisem Stöhnen beantwortet wurde.
“Ich gehe mich schnell frisch machen!”, Charlotte versuchte aufzustehen, nahm aber dankend Julios Hand zur Hilfe. Sicher waren auch ihre ersten Schritte nicht, doch sie schaffte es, die Bar in Richtung der Toilettenräume zu verlassen.
“Ich bin’s”, Julio hatte sein Handy aus der Tasche gezogen. “Ich komme jetzt kurz vorbei… Kannst du mir… vorbereiten…ja, sofort – ich verlasse mich auf dich!” Seine Worte waren kaum zu verstehen. Nachdem er das mysteriöse Telefonat beendet hatte, atmete er tief durch, warf einen Geldschein auf die Theke und verließ die Bar in der gleichen Richtung wie Charlotte.
Er war sich sicher, dieser Abend würde ihm noch viel Freude machen….
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