Dunkle Schatten

Stefan wusch sich die Hände mit steriler Lösung, trocknete sie und ließ sich von einer Schwester die Op-Handschuhe über die Hände streifen. Er versuchte sich auf die bevorstehende Operation zu konzentrieren. Dieser Eingriff war nichts Besonderes für ihn. Blinddarmoperationen standen fast täglich auf dem Plan, auch in einer solchen Notfallsituation lief die übliche Routine ab.

Doch heute war es anders! Stefan schossen seine Worte durch den Kopf, die er Viktor während der Untersuchung zugeflüstert hatte. ‘Wie unüberlegt!’, Stefan kannte zwar vom Krankenblatt einige Daten von Viktor, jedoch konnte er keine Verbindung zu seiner eigenen Person herstellen. Ihm war klar, dass er keineswegs seinen hippokratischen Eid verletzen würde. Hier war ein Mensch, der Hilfe benötigte, egal was und wer er war.

Stefan schloss die Augen – konzentriert ging er in Gedanken die einzelnen Schritte der Operation durch. Dann trat er an den Op-Tisch, atmete einmal tief durch und streckte seine rechte Hand aus, in die ihm sofort von seiner Assistentin ein Skalpell gelegt wurde.

Er richtete seinen Blick auf das Operationsfeld und setzte das Skalpell mit leichtem Druck auf die Haut der rechten Seite von Viktors Unterbauch. Mit sicherer Hand zog er den Schnitt und durchtrennte die oberste Hautschicht. Danach führte er nach und nach Schnitte durch Fettgewebe und Muskelschichten bis er den Bauchraum eröffnen konnte. Im Operationssaal herrschte absolute Ruhe, die nur durch das Piepsen der Kontrollmonitore unterbrochen wurde.

“Ach du Mist!”, entfuhr es Stefan laut als er in den geöffneten Bauchraum blickte und als er zu seiner Assistentin blickte, sah er das Entsetzen auch in ihren Augen.

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