Dunkle Schatten

Nach einem langen Spaziergang hatte sich Stefans Gemüt wieder etwas beruhigt. In seinem Inneren hatte er die Gewißheit, dass er alles richtig gemacht hatte. Dass der Fremde trotzdem gestorben war, mußte andere Ursachen haben, Vorerkrankungen, die zu entdecken in der Kürze der Zeit unmöglich waren. Die Obduktion des Patienten würde klären, was die genaue Todesursache war. Und das blieb abzuwarten.
Was Stefan auf der Seele lag, waren seine eigenen Worte, die er unüberlegt vor der Operation ausgesprochen hatte. Er hatte den Fremden wahrgenommen, ihn urplötzlich auftauchen sehen, gemerkt, wie er ihm hinterher gefahren war. Er war noch nie von jemandem verfolgt worden, das kannte er nur aus Krimis.
Der Fremde hatte ihn nervös gemacht . Nicht, dass Stefan Angst um sein Leben gehabt hätte, seine Sorge galt seiner kleinen Tochter. Öfter als sonst rief er bei seinen Eltern an, um sich zu erkundigen, ob es Juliane gut ging.
Nachts verfolgten ihn Träume, Juliane in der Hand von Entführern, die ein hohes Lösegeld verlangten und seine Tochter doch umbrachten… Juliane misshandelt und missbraucht… Seine verstorbene Frau, die ihn mit Juliane wortlos verlassen hatte….
Nur aus diesem Druck heraus konnte sich Stefan seine Worte zu dem Fremden vor der Operation erklären.
Nun war der Fremde tot, die unmittelbare Gefahr gebannt. Aber da war der Brief, mit dem er nichts anzufangen wusste, der Brief, der mit einer Frau zu tun hatte, die er liebte, der er aber nicht nach Teneriffa folgen konnte, da die Schatten der Vergangenheit ihn noch nicht los gelassen hatten.

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