Entscheidungen
Nur zögerlich ließ Stefan Mareike aus seinen Armen frei. Er wandte sich zu Juliane und beugte sich zu ihr herab um ihr etwas ins Ohr zu flüstern. „Das ist Mareike – eine ganz, ganz liebe Freundin!“ Mareike hatte nur Stefans letzte Worte verstanden, „…ganz liebe Freundin!“ ‚So’, dachte sie, ‚ich bin also nur eine ganz liebe Freundin für dich!’ Abrupt drehte sich sich zu ihrem Vater um und sagte unüberhörbar laut, „komm’ lass uns nun endlich nach Hause fahren!“ Herbert Kramer zögerte, „willst du Stefan nicht fragen, wo er wohnt!“ „Nein!“ kam es knapp von Mareike zurück.
Stefan blickte verwundert von Mareike zu ihrem Vater und wieder zurück. Er konnte sich die plötzliche Veränderung nicht erklären. „Mareike? Können wir uns treffen?“, fragte Stefan vorsichtig. „Ich glaube, wir haben uns viel zu erzählen!“
„Ich weiß nicht“, antwortete Mareike kühl. „Eigentlich wollte ich die ganze Zeit mit meinem Vater verbringen – außerdem ist fast Weihnachten und da musst du dich sicher um deine Tochter kümmern“, bei diesen Worten fiel Mareikes Blick auf Juliane, die artig neben ihrem Vater stand, dessen Hand festhielt und mit gespannter Neugier dem Gespräch zwischen den Erwachsenen lauschte. Gern hätte sie in diesem Moment ihren Vater über die unbekannte Frau ausgefragt, aber ihr kindliches Gefühl sagte ihr, dass es wohl besser wäre, alle ihre Fragen auf später zu verschieben.
„Lass uns morgen bei ‚Gosch’ im Lister Hafen treffen – sagen wir … 13 Uhr!“, Stefans Stimme klang bestimmt und Mareike fühlte, dass er kein ‚Nein’ akzeptieren würde.
„Gut, … dann bis morgen!“, Mareike griff den Arm ihres Vaters und zog diesen mitsamt des Weihnachtsbaumes, den er unter seinen Arm geklemmt hatte, zum Auto.
Stefan und Juliane standen stumm nebeneinander und blickten den beiden nach. Herbert Kramer drehte sich noch einmal kurz um und nickte Stefan ermunternd zu. Er wunderte sich auch über seine Tochter, wagte es aber im Moment nicht, ihr Verhalten zu hinterfragen.
„Komm, Papa“, Juliane hatte ihre Stimme wiedergefunden. „Oma und Opa warten bestimmt schon auf uns. …Und die Tante..!“ „Du meinst ‚Mareike!“ ergänzte Stefan. „Ja, die kannst du ja morgen wieder sehen!“
Juliane wollte zu ihren Großeltern und ihnen über dieses Treffen mit Mareike berichten. Doch Stefan musste ihre Gedanken gelesen haben. „Kein Wort zu Oma und Opa – versprochen?“ Stefan blickte seine Tochter ernst an. „Versprochen, Papa!“, erwiderte Juliane, aber Stefan konnte nicht sehen, dass hinter ihrem Rücken die kleinen Finger in den warmen Handschuhen gekreuzt waren.
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Manja, das ist ja ganz großes Kino! LG – Donna