Entscheidungen

An diesem Abend fand niemand so richtig in den Schlaf. Juliane überlegte, ob sie die Tante mit dem kleineren Weihnachtsbaum nett finden sollte. Eine Frau an Papas Seite hatte sie, außer ihrer Mama, noch nie gesehen. Papa schien sie sehr lieb zu haben, warum sonst hatte er sie in den Arm genommen und nicht mehr losgelassen? Und wen Papa lieb hatte, mochte auch Juliane. Sie musste beim Abendbrot mehrfach ihre Lippen fest zusammen pressen, um keine Fragen zu stellen, Oma und Opa durften ja nichts wissen und das hatte sie ihrem Papa versprochen.
Stefans Eltern hatten eine seltsame Veränderung bei  ihm festgestellt, die sie sich nicht erklären konnten.  Seit langem hatten seine Augen nicht mehr so geleuchtet, wie heute.  „Was machst du dir für Gedanken?“ belustigte sich Stefans Vater nach dem Essen, als Stefan Juliane eine Gute-Nacht-Geschichte vorlas, „der Junge hat Urlaub und ist froh, dass ihm mal ein anderer Wind um die Nase pfeifft als Krankenblätter.“ ‚Typisch Mann’, dachte Stefans Mutter und ließ es dabei bewenden. Ein Mutterherz hat andere Antennen und spürt neue Schwingungen sofort.

Mareike und ihr Vater saßen vor dem Kamin, hatten eine Flasche Rotwein geöffnet und interessiert hörte er sich Mareikes Erzählungen von Teneriffa und ihrer Arbeit in Michaels Hotel an.  Auch er spürte, dass Mareike ihm nicht alles erzählt hatte. Die Ursache ihrer kleinen Kummerfältchen verschwieg sie. Er wollte sie nicht drängen, noch hatten sie einige gemeinsame Tage vor sich und er war sicher, dass Mareike sich ihm von ganz allein öffnen würde.

Trotz der anstrengenden Reise und der aufregenden Erlebnisse  des vergangenen Tages fand Mareike keinen Schlaf.  Die unerwartete Begegnung mit Stefan hatte sie bis ins Mark getroffen. Er war möglicherweise nur wenige Kilometer von ihr entfernt und doch fühlte sie sich meilenweit weg von ihm. ‚Nur eine ganz liebe Freundin’, diese Worte hatten sie getroffen. Aber was hätte er, selbst überrascht von der unerwarteten Begegnung, seiner kleinen Tochter sagen sollen. Etwa ‚schau Juliane, das wird deine neue Mami?’

Sie konnte es kaum erwarten, ihn wiederzusehen, obwohl sie Angst davor hatte.  Juliane war der deutlichste Beweis seiner Vergangenheit mit Andrea. Hatte sie überhaupt eine Chance?

Comments

Haben Sie eine Anmerkung?





  • Der Schicksals-Code

  • Geschenk-Tipp



  • Ella's Geschichten


    Sun, 28 Jun 2009

    “Ich hab´keinen Bock mehr, verdammt, ihr könnt mich mal”, fluchte Merle vor sich hin, während sie die herumliegenden Zeitungen vom Fußboden ihrer Wohnung aufsammelte. Marc hatte – wie jeden Morgen – alles einfach liegen gelassen. Er kümmerte sich nie um die banalen Alltäglichkeiten in ihrer gemeinsamen Woh …


    Fri, 29 May 2009

    Neulich, an einem sehr heißen Tag im Sommer. Bea war zusammen mit drei Freundinnen in eine Wohngemeinschaft in einer Kleinstadt im Süden gezogen. Hier wollte sie nur für die Zeit des Studiums leben. Sie waren zu Viert in der Wohnung, jede von ihnen hatte ein etwa 13 Quadratmeter großes Zimmer, es gab eine kleine Wohnküche in der …


    Mon, 25 May 2009

    Caro ist umgezogen, endlich, endlich hatte sie die heißersehnte Dachmaisonettewohnung mit Blick auf den nah gelegenen Fluss bezogen. Nach langer Zeit hat sie mal wieder das Gefühl, angekommen zu sein. Sie hatte zahlreiche Wohnungen besichtigt, bis sie endlich diese, die schönste gefunden hatte. Während der Besichtigung dieser Da …


    Mon, 18 May 2009

    Grundsätzlich werden Männer vom Älter- und Einsamwerden überrascht, sie sind nicht darauf vorbereitet, achten auch nicht auf die ersten Anzeichen, nein, sie stellen urplötzlich fest, dass sie sich körperlich und gefühlsmäßig verändert haben. So auch der Großstadtprinz. Er lebt seit vielen Jahren in einem wunderschönen dur …


    Fri, 08 May 2009

    Kaum hatte Bella die Haustür aufgeschlossen, klingelte das Telefon, dreimal, viermal, wann hörte das Klingeln endlich auf, fünfmal, sechsmal, sie versuchte es zu ignorieren, sie wollte nicht mit ihm sprechen. Klar, er wusste, wann sie von der Arbeit nach Hause kam, er kannte ihren Tagesablauf, sie, ihre Gewohnheiten. Aber es war au …


    Sat, 18 Apr 2009

    Träume sind absolut. Unnötig. Quatsch. Illusion. Fern und doch so nah. Einmalig. Unwiderbringbar. Träume sind dein Glück. Sie bringen deine Gefühle in Bildern zurück. Sie erinnern dich an deine Wünsche. “Träume dich reich”, und du wirst nie wieder arm sein.

    Und wieder einmal ein Geburtstag, wieder ei …

  • Letzte Kommentare