1. Neue Ufer

Mit einem lauten Knall fiel die Haustür hinter ihr ins Schloss. Sie stellte die beiden schweren Koffer neben sich ab, streckte sich und sog, verbunden mit einem tiefen Seufzer, ganz bewusst die frische Morgenluft ein. In ihren Augen standen Tränen. Ein letzter Blick zurück. Dann öffnete sie ihre Handtasche, holte sich eine Zigarette und das Feuerzeug heraus und spürte nach den ersten Zügen, dass sich ihre vibrierenden Nerven langsam beruhigten. Neben ihr hielt das bestellte Taxi. Ein freundlich blickender Wuschelkopf stieg aus und packte die beiden Koffer mit Schwung in den Kofferraum. „Na, junge Frau, wo soll´s denn so früh schon hingehen?” fragte er munter. „Zum Flughafen, bitte” gab sie etwas distinguiert zurück. Grauenvoll, diese Menschen, die mitten in der Nacht schon Bäume ausreißen können, gut gelaunt und redselig sind’ schoss es ihr durch den Kopf. Sie lehnte sich in den bequemen Rücksitz des Daimler S 500 und schloss die Augen, in der Hoffnung, der freundliche Taxifahrer verwickele sie nicht noch in ein Gespräch über ‚Morgenstund hat Gold im Mund’ oder so etwas ähnliches.

Mareike blickte aus dem Autofenster ohne bewusst auf etwas zu achten. Es war noch früh am Morgen, trotzdem waren schon viele Menschen unterwegs. Auch auf den Straßen war bereits lebhafter Verkehr, der den Taxifahrer hin und wieder zu leisem Schimpfen verleitete. Sein Fahrgast wünschte keine Unterhaltung, „Schade” – dachte er, während er sie im Rückspiegel beobachtete.

Was er sah gefiel ihm ganz gut. Sie hatte lebendige, grüne Augen, die gut zu ihrer roten Haarmähne passten. Nur blickten diese Augen gerade missmutig aus dem Fenster. Ihre Lippen hatte sie fest zusammengepresst. Irgend etwas musste die junge Frau beschäftigen. Leider musste sich Daniel wieder auf den Verkehr konzentrieren, der in der Nähe des Flughafens noch zunahm. Trotzdem musste er immer wieder in den Rückspiegel sehen. Mareike bemerkte seine Blicke und verzog das Gesicht. Von Männern hatte sie erst einmal die Nase gestrichen voll. Demonstrativ sah sie weiter aus dem Fenster…
Endlich hielt das Taxi an. Daniel spurtete um das Auto und wollte Mareike die Tür öffnen, doch die war schon ausgestiegen. Ihm blieb nichts weiter übrig, als den Kofferraum zu öffnen und Mareike ihr Gepäck zu übergeben. Mareike fischte das nötige Kleingeld aus der Tasche und drückte es Daniel in die Hand. „Reicht das?”, fragte sie schnippisch. Daniel nickte und Mareike stolzierte hocherhobenen Hauptes Richtung Flughafeneingang. Sprachlos schaute er ihr nach. Sollte er sie gehen lassen? Daniel fuhr sich mit beiden Händen durch seine dunkelbraunen Haare und überlegte. Mareike war schon fast an der Tür, als jemand laut ihren Namen rief. Fragend sah sie sich um und erstarrte. Das konnte doch nicht wahr sein. Entsetzt ließ sie ihre Koffer fallen. Durch den Aufprall öffnete sich der eine Koffer und sein Innenleben ergoss sich über den Fußboden.

Bunte Sommershirts, ein Bikini, diverse Dessous, Unterwäsche, Badetücher und Sommersandaletten ergossen sich quer über den Steinboden. Mareike sah entsetzt auf den verstreuten Inhalt ihres Koffers und jappte entsetzt auf. „Auch das noch! So ein Scheißtag.” Das war seine Gelegenheit. Daniel sprintete so schnell er konnte in ihre Richtung, bückte sich und sammelte die verstreuten Utensilien wieder ein. Nur aus den Augenwinkeln bemerkte er den Mann, der sich Mareike mit fragendem Blick näherte. „Das ist aber eine Überraschung, dich hier zu treffen. Wo soll´s denn hingehen?” fragte er neugierig. Mareike fühlte sich in dieser Lage völlig überfordert. Vor ihr auf dem Boden kroch ein wildfremder Taxifahrer und sammelte ihre geheimste Unterwäsche in aller Öffentlichkeit ein und vor ihr stand ein One-Night-Stand, dessen Existenz sie längst aus ihrem Bewusstsein verbannt hatte.

Warum konnte man sich nicht einfach in Luft auflösen? Mareike widerstand der Versuchung, laut zu schreien und sich die Haare zu raufen. Manche Tage bestanden nur aus Nerven tötenden Momenten. Erst das Drama … sie wollte gar nicht mehr daran denken. Daniel hatte mittlerweile sämtliche Kleidungsstücke aufgesammelt und in den Koffer gequetscht. Er konnte sich nach seiner Hilfsaktion ein Grinsen nicht verkneifen. Sicher würde die junge Dame in dem einen oder anderen Teilchen sehr verführerisch aussehen. Leider schaute Mareike genau in diesem Moment in Daniels Gesicht. Grimmig riss sie ihm den Koffer aus der Hand und stürmte in das nächste Restaurant. Da ihr Flieger erst viel später startete, hatte sie noch genügend Zeit. Beide Männer schauten ihr verblüfft hinterher. Daniel sah auf seine Uhr, denn langsam musste er mal wieder an andere Fahrgäste denken. „Ich habe noch zu tun”, murmelte er in eine unbestimmte Richtung und stiefelte zu seinem Taxi. Nun stand nur noch Mareikes One-Night-Stand vor der Eingangstür des Flughafens. Er dachte an die Stunden, die ihn und Mareike verbanden. Eigentlich hatte er sie noch gar nicht richtig kennen gelernt. Das konnte man sicher nachholen. Mareike saß bereits mit ihrem Gepäck grübelnd im Restaurant. Ihre Gedanken waren ebenfalls bei dieser schon lange vergessenen Nacht. Ihr fiel noch nicht einmal der Name ihrer Bettbekanntschaft ein. Mareike stöhnte, als sich die Tür öffnete, und genau diese Bekanntschaft den Raum betrat.

Oh nein! Wo ist das berühmte Loch im Erdboden?’ stöhnte sie innerlich und kreiste meditativ mit dem Löffel im Uhrzeigersinn durch ihre Kaffeetasse. Warum musste ausgerechnet dieser Typ hier auftauchen? Sie wollte nur weg, alles hinter sich lassen und sich ein paar Wochen in ihrer kleinen Ferienwohnung auf Teneriffa ausruhen. Sie beschloss, ihre ganze Aufmerksamkeit dem dampfenden Kaffee zu widmen, bis ihr Flug aufgerufen würde. Der Typ musste ja schließlich merken, dass er gerade höchst unwillkommen war. Mareike unterbrach ihre Meditationsübung, setzte die Tasse an den Mund und erfasste mit einem kurzen Rundumblick die Situation. Da saß er, drei Tische weiter, biss herzhaft in ein Käsebrötchen und war so damit beschäftigt, dass sie in Sekundenschnelle ausrechnete, wie lange sie zum Restaurantausgang bräuchte. Eine Frau – ein Gedanke – eine sinnvolle Tat! Den erstaunten Blick ihres Lovers registrierte sie noch aus den Augenwinkeln, als sie mit ihrem Gepäck das Restaurant verließ und sich in die nächste Flughafentoilette begab.

Mareike holte tief Luft. Sie schaute in den Spiegel und schüttelte den Kopf. Das konnte doch alles nicht wahr sein. Ihr stand der Sinn nach Urlaub unter Palmen, Urlaub mit Sonne und Meer. Wieso musste das Leben nur so kompliziert sein. Viel Zeit blieb Mareike nicht zum Nachdenken, denn ein kleines Mädchen zupfte vorsichtig an ihrer Bluse. „Kannst du mir helfen?”, fragte die Kleine. Mareike schaute verwundert auf das Kind. Dicke Tränen liefen ihm über das Gesicht. Den Teddy fest an sich gedrückt, stand es verängstigt neben Mareike. Bevor Mareike antworten konnte, wurde ihr Flug aufgerufen. Was sollte sie jetzt tun? Die junge Frau hockte sich neben das Kind und strich im vorsichtig über die blonden Locken. „ Bist du denn ganz allein hier?”, fragte Mareike. „Nein”, antwortete das Mädchen, „ich bin mit meinem Vati hier, aber ich finde ihn nicht mehr.” Mareike schloss die Augen. Der Auszug aus der Wohnung, der Taxifahrer, ihre kurze Bekanntschaft, ein kleines Mädchen…und ihr Flug nach Teneriffa. Was sollte sie nur tun. Mareike straffte die Schultern, schnappte sich ihre Koffer, nahm die Kleine an die Hand und verließ entschlossen die Toilette. Kaum das Mareike diese verlassen hatte, schrie die Kleine: „Papa, Papa…!” und lief glücklich zu einem jungen Mann. Mareike erblasste. Es war ihr unbekannter Lover.

„Letzter Aufruf für die Passagiere nach Teneriffa. Bitte kommen Sie zum Flugsteig 19″, tönte es aus dem Lautsprecher. Damit war Mareike jegliche Entscheidung abgenommen. Sie nahm ihr Gepäck, ungeachtet ihres Lovers und dessen Tochter, und eilte zum Flugsteig. Wenig später lehnte sie sich in ihren Sitz zurück, schloss die Augen und wartete nur darauf, dass die Maschine ihre Starterlaubnis bekam und sie weit, weit weg brachte. Mareike flog nicht gerne. Als sie ein junges Mädchen war, machte ihr das gar nichts aus. Ihr Vater war beruflich viel unterwegs gewesen, und wann immer sie es einrichten konnten, flogen Mareike und ihre Mutter mit. Sie war viel in der Welt herumgekommen, hatte später nach dem Abitur Sprachen studiert und eine bedeutende Karriere als Fremdsprachenkorrespondentin gemacht. Mit geschlossenen Augen, hämmerndem Puls, blass bis unter die Haarspitzen, die feuchten Hände aneinander gepresst, wartete sie darauf, dass die Maschine ihre Flughöhe erreichte. Erst dann öffnete sie vorsichtig die Augen und merkte, dass ihr Innenleben sich langsam wieder normalisierte. Während des Fluges hatte sie sich dann soweit entspannt, dass die Landung zwar beschwerlich, aber gerade zu überstehen war, ohne gesundheitliche Schäden zu hinterlassen.

Mareike nahm ihr Handgepäck und wartete, bis sie aussteigen konnte. Wie immer gab es ein enormes Gedrängel in den Gängen des Flugzeuges. Da sie aber keine Eile hatte, sah sie dem Treiben belustigt zu. Endlich konnte auch sie aussteigen. Ein Bus brachte sie zum Terminal. Als alle Formalitäten erledigt waren, sah sich Mareike suchend um. Eigentlich sollte sie vom Flughafen abgeholt werden. Sicher würde gleich jemand kommen. Träumend schaute Mareike auf das lebendige Treiben, welches den Flughafen beherrschte. Ihre Gedanken wanderten zu ihrer künftigen Tätigkeit als Hotelmanagerin in einem bekannten und renommierten Hotel in Santa Cruz de Tenerife. Die moderne Stadt mit ihrem goldenen Strand San Andres hatte Mareike schon öfter besucht. Nun freute sie sich auf ihre Arbeit auf dieser schönen Insel. Sicher würde sie auch Zeit haben, dass Städtische Museum am Plaza del Principe zu erkunden. Dazu war Mareike bei ihren letzten Besuchen noch nicht gekommen. Ihre Überlegungen wurden unterbrochen, als jemand ihren Namen rief. Ein junger Mann kam auf sie zu, nahm ihr Gepäck und begleitete sie zum wartenden Auto. Kaum hatten die Koffer ihren Platz im Kofferraum gefunden, ging es schon los. Da Mareikes Begleiter sehr schweigsam war, konnte sie entspannt die Fahrt genießen. Ihr Blick fiel auf Palmen, Wasser und Strand. Vergessen waren die unschönen Gedanken, mit denen sie sich vor ihrem Abflug rumgequält hatte. Mareike nahm sich fest vor, ihr neues Leben auf Teneriffa zu genießen.
Als das Auto vor ihrer künftigen Arbeitsstelle anhielt, blickte Mareike auf ein modernes Hotel mit efeubewachsener Fassade. Das ganze Hotel war von einer überwältigenden Pflanzenpracht umgeben; eine grüne Oase inmitten der belebten Stadt. Von hier aus konnte man schnell das beliebten Einkaufsviertel erreichen. Nachdem Mareike ihre Koffer in Empfang genommen hatte, betrat sie die Eingangshalle des Hotels. Es hatte sich seit ihrem letzte Besuch nichts verändert. Komfortable Sitzgruppen luden zum Verweilen ein. An den Wänden und in Vitrinen konnte man Kunstwerke berühmter Künstler bewundern. Das Hotel war für seinen auserlesenen Geschmack bekannt. Der Stil des Hotels zeichnete sich durch eine gelungene Kombination von Antiquitäten und moderner Kunst aus. Mareike war wie immer beeindruckt und freute sich auf ihre zukünftige Tätigkeitals Hotelmanagerin in diesem Haus . Als sie gerade zur Rezeption gehen wollte, kam eine ältere Dame auf sie zu, deren elegante Erscheinung gut in dieses Hotel passte.

Mit einem distanziert klingendem „Buenas tardes” reichte sie Mareike die Hand. „Buenas … tardes” erwiderte Mareike nicht minder förmlich. „Darf ich Sie im Hotel ‚Pelinor’ herzlich begrüßen!”, fuhr die ältere Dame im perfekten Deutsch sehr zurückhaltend fort, als sie den leichten Akzent in Mareikes spanischen Begrüßungsworten bemerkte. „Sie wollen hier allein Ihren Urlaub verbringen?” Eine Falte legte sich auf ihre Stirn und Mareike hörte deutlich den leicht besorgt fragenden Unterton, der in diesen Worten anklang. „Nur eine Woche! Dann werde ich hier meine Arbeit beginnen.” Mareike legte eine besondere Betonung auf das Wort ‚hier’. Sie bemühte sich, höflich zu sein, sah es aber nicht ein, der erstbesten Person, alles haarklein zu erklären. “Dann sind Sie Senora Kramer? – Oh, ich habe mich gar nicht vorgestellt – Carla Alfaro – mir gehört das Hotel!” Ein erleichtertes, aber immer noch sehr verhaltenes Lächeln huschte über Senora Alfaros Lippen. „Es freut mich sehr, Sie kennen zu lernen!” So kam es Mareike aber nicht vor – sie zweifelte an der Ernsthaftigkeit dieser Worte.
„Sicher sind Sie von der Reise erschöpft. Folgen Sie mir bitte, dann zeige ich Ihnen Ihr Appartement. Sie können sich erst einmal frisch machen – dann erwarte ich Sie in einer Stunde in meinem Büro!” Die Anweisungen der Senora klangen wie Befehle, denen Mareike nicht zu widersprechen wagte.
Gemeinsam gingen sie zum Fahrstuhl, der sie in die dritte Etage brachte. Dort führte Senora Alfaro Mareike zu einer Tür mit der Nummer ‚P 7′. „Hier ist Ihr Appartement – vorerst!”, es waren unpersönliche Worte, die Mareike nicht gerade von einer guten Zusammenarbeit überzeugten.
Senora Alfaro drehte sich um und verschwand mit einem kurzen „ich sehe Sie dann in einer Stunde!” wieder im Fahrstuhl.
Mareike öffnete die Tür, betrat mit einem unguten Gefühl das Appartement, schloss die Tür hinter sich und sah sich erst einmal um. Das Appartement war hell und freundlich eingerichtet, doch es fehlte eine gewisse Spur von Gemütlichkeit.
Mareike öffnete ein Fenster und setzte sich auf das Sofa. Sie schloss die Augen und ließ die letzten Tage und Stunden nochmals Revue passieren.
War dies jetzt das, was sie sich erträumt hatte?
War es die Flucht aus ihrem bisherigen Leben wirklich wert?

‘Doch, das war es! Das, was hinter ihr lag, wollte sie nie wieder im Leben durchmachen’ schwor sie sich im Stillen. Nach dem Gespräch mit der Senora würde sie weiter nach Puerto de la Cruz fahren. Ihr blieb bis zum Gespräch ausreichend Zeit zu duschen und sich umzuziehen. Aber vorher hatte sie noch etwas Wichtiges zu erledigen. Sie griff zum Telefon, wählte und wartete. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sie den Teilnehmer am anderen Ende vernahm. “Hola Fernando,que tal?” In wenigen Sätzen erklärte sie ihrem Nachbarn Fernando, dass sie bereits in Santa Cruz sei, dort noch einen wichtigen Termin habe und gegen Abend in ihrer Ferienwohnung in Puerto de la Cruz eintreffen würde. Sie kannte Fernando gut genug um zu wissen, was sie heute Abend erwarten würde: eine Flasche Vino Tinto und seine Spezialität, frischer Tintenfischsalat mit Weißbrot und Knoblauchbutter. Obwohl Mareike überpünktlich war, wurde sie bereits von der Senora erwartet. Das Gespräch verlief sachlich und ohne nennenswerte Herzlichkeit. Mareike war im Umgang mit Menschen erfahren genug, um sofort zu spüren, dass Senora Alfaro sie auf Herz und Nieren prüfte. Sie wurden sich in den wesentlichen Dingen wie Arbeitsplatzbeschreibung, Arbeitszeiten und Gehaltsvorstellungen einig. Die Senora ließ es sich natürlich nicht nehmen, Mareike voller Stolz durch ihr Anwesen zu führen und sie den neuen Kolleginnen und Kollegen vorzustellen. Das Hotel war ein Traum. Aber trotz der heimeligen Atmosphäre fehlte etwas ganz Entscheidenes, Freude und Zufriedenheit in den Gesichtern der Angestellten. ‘Das wird sich unter meiner Leitung ändern’, dachte Mareike zuversichtlich. Nachdem sie ihren Vertrag unterschrieben hatte, bedankte sie sich bei der Senora für alles und besonders für das Angebot, die Urlaubswoche hier im Hotel zu wohnen. “Wir sehen uns dann pünktlich um 7.00 Uhr am 1. September. Bis dahin erreichen Sie mich in meiner Wohnung unter folgender Adresse in Puerto de la Cruz.” Mareike drückte der Senora eine Visitenkarte in die Hand, bemerkte noch den fragenden Blick im Gesicht der Senora und registrierte aus den Augenwinkeln ein leichtes Kopfschütteln. Ihr Gepäck war schon unten an der Rezeption und ihr Taxi in den lang ersehnten Urlaub stand berei.Mareike zwang sich, nicht weiter über das seltsame Verhalten der Senora nachzudenken, denn jetzt hatte sie erst einmal Urlaub. Sie freute sich auf ein paar unbeschwerte Tage mit viel Ruhe und Erholung, denn dies hatte sie dringend nötigt. Im Taxi schloss Mareike die Augen, um sich etwas zu entspannen, aber im nächsten Moment war sie eingeschlafen. Sie träumte von Sonne und Strand, von Wellen, die sanft ihre Beine umspülten. Es war ein herrlicher Tag und sie saß ganz allein am Strand. „Guten Tag”, sagte jemand hinter ihr. Mareike sah sich um und schaute in die strahlend blauen Augen eines kleinen Mädchens. Sie wollte gerade antworten, als jemand vorsichtig an ihrer Schulter rüttelte. Mareike zuckte zusammen. Sie hatte nur geträumt; sehr lebendig und intensiv. Schade, dass der Traum so schnell unterbrochen wurde. Mareike hätte gern noch weitergeträumt, aber nun war sie endlich am Ziel ihrer Fahrt. Mareike schaute sich glücklich um und atmete tief die würzige Luft des Meeres ein, welches unweit ihrer Ferienwohnung begann. Ein kurzer Weg entlang einer Bananenplantage und sie war am Strand. Dorthin würde sie später sicher noch wandern. Jetzt wollte Mareike erst einmal ihre Ferienwohnung betreten. Der Taxifahrer hatte schon ihr Gepäck auf die Terrasse gestellt. Mareike bedankte sich freundlich und verabschiedete sich von dem jungen Mann, der hocherfreut über das Trinkgeld war, welches Mareike ihm zugesteckt hatte. Ihr Ferienwohnung war eine bildschöne Gartenwohnung mit Terrasse und Pavillon. Die Fenster waren geöffnet und Gardinen flatterten lustig im Wind. Der große, gepflegte Garten mit Liegewiese und Pool lud zur Entspannung ein. Am Pool waren die Liegen schon aufgebaut und das Wasser glitzerte in der Sonne. Mareike sah sich um. Fernando musste irgendwo sein. Sie rief laut, bekam aber keine Antwort. Deshalb schnappte sich Mareike erst einmal ihre Koffer und betrat den Flur, von dem sie Einblick in jedes Zimmer hatte. Überall standen Vasen mit bunten Blumen und Schalen mit frischem Obst. Mareike fühlte sich sofort wohl und willkommen. Sie setzte ihre Koffer ab, kramte ihren Bikini heraus und machte sich auf den Weg zur Terrasse. Sicher würde Fernando bald kommen. In der Zwischenzeit wäre eine Abkühlung im Pool sicher nicht schlecht. Doch als Mareike am Pool ankam, sah sie einen ihr unbekannten Mann, der es sich schon auf einer der Liegen bequem gemacht hatte.

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