30. Entführung
Leise fuhr das Auto durch die dunkle Nacht. Sanft wurde Charlotte hin und hergeschaukelt. Sie hatte noch nicht viel von Teneriffa gesehen, aber die leicht schaukelnden Bewegungen deuteten darauf hin, dass das Auto eine kurvenreiche Strecke nahm, hinauf in die Berge. Julio atmete deutlich hörbar neben ihr, sagte aber kein Wort.
Plötzlich setzte Charlottes scharfsinniger Verstand ein und ihr Körper machte eine ruckartige Bewegung. Wat sie wahnsinnig geworden? Ihre Augen waren verbunden, ihre Hände gefesselt, neben ihr ein liebestoller Mann, den sie kaum kannte und ein Auto, das mit unbekanntem Ziel in die Einsamkeit der Berge fuhr. Wollte Julio sie entführen?
Sie riss sich zusammen, so gut sie es vermochte und fragte Julio mit einem verführerischen Unterton „Sag, Liebster, was hast du vor? Wohin fahren wir?”
„Sei still”, fuhr Julio sie an. Charlotte zuckte zusammen, als hätte sie jemand ins Gesicht geschlagen. „Ich bringe dich an einen sicheren Ort, an dem dich niemand finden wird. Dort machen wir zwei es uns gemütlich und werden mal sehen, was dein Ex-Verlobter bereit ist, für dich zu zahlen.”
„Mach dich nicht lächerlich. Wir sind hier nicht im Krimi und ich bin nicht die Frau eines reichen Unternehmers, der ein horrendes Lösegeld für die Freilassung seiner Gattin zahlen wird.” „Nein, das bist du nicht, ich habe mich hinreichend über dich erkundigt. Und wenn dein Verlobter nicht zahlen will, dann musst du dir was einfallen lassen. Ganz mittellos wirst du mit einem gut gehenden Reisebüro in Deutschland nicht sein, nicht wahr, meine Schöne?”
Carlo ließ den Wagen langsam auf die Einfahrt zur Finca zurollen und bedeutete Julio mit einem leichten Kopfnicken in Richtung der Finca, dass sie am Ziel angekommen seien. Nach Charlottes Empfinden hatte die Fahrt eine Ewigkeit gedauert. Julio stieg aus dem Auto, ging um den Wagen herum und öffnete Charlotte die Tür zum Aussteigen.
Ohne ein weiteres Wort ließ Carlo den Wagen an und fuhr langsam davon. Er hatte seinen Auftrag erfüllt und stand nun nicht länger in Julios Schuld. Was der mit der deutschen Touristin vorhatte, ging ihn nichts an.
Sobald Carlo mit dem Auto außer Sichtweite war, nahm Julio Charlotten den Schal von den Augen. Sie blinzelte mehrmals, bevor sie überhaupt irgend etwas wahrnehmen konnte. Das helle Licht des Vollmondes schien auf die kahle Mondlandschaft der Canadas, in der die Zeit seit den letzten Vulkanausbrüchen auf der Insel stehen geblieben zu sein schien. Sie erschrak – um sie herum nichts, außer einem kleinen Steinhäuschen, das sich in diese bizarre Landschaft verirrt zu haben schien.
„Na, gefällt es dir hier?” fragte Julio mit spöttischem Lächeln. „Frage mich am Tage noch einmal, wenn das Tageslicht mir die Landschaft vollends präsentiert”, konterte sie schlagfertig, obwohl ihr eine panische Angst fast die Kehle zuschnürte. Sie fror ganz erbärmlich. Während sie in Puerto abends mit einem leichten Jäckchen bestens versorgt war, pfiff hier ein eiskalter Wind, der ihr ein Temperaturempfinden im Bereich des Gefrierpunktes gab.
Julio löste ihr die Handfesseln und merkte, wie sie zitterte. „Lass und reingehen, bevor du dir hier den Tod holst. Ein kräftiger Schuß Rum wird dir die Lebensgeister wieder wachrütteln”. Charlotte hatte keine andere Wahl, als ihm zu folgen, an Flucht war zu dieser Nachtzeit und in dieser Umgebung erst einmal nicht zu denken.
Charlotte begriff noch immer nicht, was Julio mit ihr vorhatte. Es konnte doch nicht nur am Geld liegen, warum er sie in diese Einöde verschleppt hatte. Immerhin zeigten Julios Augen starkes Interesse an ihr.
Charlotte sah sich in der Hütte um. Eigentlich war sie ganz komfortabel eingerichtet. Genau das richtige Ambiente für ein Liebesabenteuer. Charlotte schlenderte auf ein überdimensionales Bett zu und ließ sich darauf nieder. Unter halb geschlossenen Lidern schaute sie auf Julio, der immer noch an der Tür stand und ihre Bewegungen verfolgte.
Langsam nährte sich Julio Charlotte, die langsam ihre Bluse aufknöpfte. Es war zwar nach wie vor jämmerlich kalt, aber Charlotte musste einen Weg finden, um Julio von sich abhängig zu machen. Sie hatte nicht vor, in dieser Einöde zu versauern bzw. ihr schwer verdientes Geld diesen Typen in den Rachen zu werfen. Langsam hatte Charlotte sich bis auf die Dessous entkleidet. Wie erwartet, konnte Julio dem Anblick einer halbnackten Frau nicht widerstehen und ließ sich ebenfalls auf dem Bett nieder. Charlotte legte sich ausgestreckt auf die Matratze und schaute Julio weiterhin lockend an. Julio sah auf sie nieder und fuhr mit den Händen über die halbentblößten Brüste, deren Spitzen sich unter seinen Berührungen aufrichteten. Julio merkte, wie das Feuer in seine Lenden schoss und seine Männlichkeit hart zu pochen anfing. Alle Gedanken an Lösegeld waren verschwunden. Er musste diese Frau besitzen, deren Rundungen ihn fast um den Verstand brachten. Als er seine Hände zwischen Charlottes Schenkel gleiten ließ, stöhnte sie lustvoll auf. Julio konnte nicht länger an sich halten und begann, diesen sagenhaften Körper zu erforschen.
Charlotte beobachtet ihn mit halb geschlossenen Augen. Eigentlich hätte sie sich gern der Lust hingegeben, aber sie musste einen Weg finden, um die Situation in den Griff zu bekommen.
Im Moment aber war es ihr wichtig, Julio weiter zu ermuntern, sich all das zu nehmen, wozu es ihm an ihrem Körper gelüstete. Charlotte war hin und her gerissen zwischen nüchternen Überlegungen dieser Situation zu entfliehen und dem genussvollen Gefühl von Julios kräftigen Männerhänden, die über ihren ganzen Körper strichen, ihre Brüste kneteten und neugierige Finger intimste Stellen erkunden ließen.
Charlottes Körper straffte sich, ihr Kopf wandte sich zur Seite und ihr Blick fiel auf den schweren Aschenbecher, der auf dem Nachttisch neben dem Bett stand. Es gelang ihr, sich so unter Julios Körper zu bewegen, dass ihre Fingerspitzen ihn fast erreichten.
Noch ein kleines Stückchen, dann…
“Was hast Du vor!” Julios Mund war leicht geöffnet, er stöhnte schwer auf, während sich seine Hüften rhythmisch bewegten.
“Komm!” – hauchte Charlotte berechnend. Julio stieß einen lauten Schrei aus, während sich sein Körper aufbäumte.
In diesem Moment griff Charlotte zu! Julio richtete sich auf und sah mit entsetzten Augen in Charlottes Gesicht.
Er war nicht mehr fähig auch nur ein Wort zu sagen.
Stöhnend löste sich Julios Körper von Charlottes und fiel mit schmerzverzerrtem Gesicht zur Seite. Entsetzt starrte Charlotte erst auf den leblos scheinenden Körper, dann auf den schweren Aschenbecher in ihrer Hand. Hatte sie ihn erschlagen? Sie beugte sich vorsichtig über Julio. Von seinem Hinterkopf rann eine dunkle Flüssigkeit stetig seinen Nacken hinunter und tropfte in regelmäßigen Abständen auf das blütenweiße Kopfkissen.
Charlotte sah sich hektisch um, sprang mit einem Satz aus dem Bett und öffnete die Türen eines großen Kleiderschrankes. Mit zittrigen Fingern durchwühlte sie den reichlichen Vorrat an Wäsche und zog alles raus, was für sie in Frage käme. Den Blick nicht von Julio gewandt, zog sie sich um. Im Nu war sie für einen langen Marsch gerüstet, in Pullover, Jeans und festen Schuhen konnte sie ihren Rückweg antreten.
Julio rührte sich nicht. Charlotte glaubte, ihn flach atmen zu sehen, aber sicher war sie nicht. Sie wollte nur weg und wenn sie die ganze Strecke zu Fuß laufen müßte. Im Kühlschrank fand sie eine Flasche Mineralwasser, stopfte sie mitsamt ihrer ausgezogenen Kleidung in eine herum liegende Plastiktüte und öffnete die Eingangstür
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