19. Aufbruch
Nora saß im Sessel ihres Krankenzimmers und starrte aus dem Fenster, sie wusste nicht, wie lange schon. Der feine Nieselregen, der den ganzen Tag lautlos vom Himmel rann, schien auch ihr Gesicht benetzt zu haben. Die Tränen, die ihr die Wangen herunterrannen, waren ein Spiegelbild ihrer Seele. Seit Tagen schon hatte sich die Traurigkeit wie ein dichtes Spinnennetz um sie gelegt und gefangen genommen. Sie hatte sich sehr auf Julios Besuch gefreut, aber er war nicht gekommen. Eine telefonische knappe Absage, er müsse die Schicht eines kranken Kollegen übernehmen, war das letzte, was sie ...weiter
18. Schicksalhafte Begegnung
Mareikes Gespräch in der Redaktion der “Teneriffa Nachrichten” hatte sie in eine solche Euphorie versetzt, dass sie die Tür mit einem kräftigen Schubs aufschwang. “Können Sie denn nicht aufpassen?” Ein schlanker, dunkelhaariger Mann mit Brille hielt sich schmerzend die Stelle am Kopf, die gerade mit der Tür Bekanntschaft gemacht hatte. “Wenn ich Hellseherin wäre, könnte ich mein Geld anders verdienen”, konterte Mareike. “Tut´s sehr weh?” setzte sie sogleich mitfühlend nach. “Entschuldigen Sie bitte, es war nicht meine Absicht, ...weiter
17. Diagnose
Nora presste sich die Hände auf den Unterleib und ihr Gesicht verzerrte sich vor Schmerz. “Was ist mit Ihnen?” Michael schaute Nora irritiert an und sein Blick wanderte in Richtung ihres Unterleibes. “Ich weiß es nicht, es tut so weh,” stammelte Nora mit bleichem Gesichtsausdruck. “Bitte, bringen Sie mich zu meinem Hotel, ich möchte mich hinlegen.” Nora schaute ihn bittend an. Der Abend war anscheinend gelaufen, dachte sie bitter. “Kommen Sie, ich fahre Sie zur Clinica. Dort wird man Sie untersuchen und feststellen, was mit Ihnen los ist.” ...weiter
16. Abschied
Martin hatte seinen Koffer gepackt, bis auf das, was er heute Nacht und morgen früh brauchte. Um halb acht musste er am Flughafen sein. Er hatte Mareike eine SMS geschickt. In kurzen Worten hatte er ihr mitgeteilt, dass er morgen nach Deutschland zurück flöge und sich kurz von ihr verabschieden wollte und ob ihr 18 Uhr recht sei. Die Antwort war kurz und bündig: “Okay”. Er hatte geglaubt, innerlich mit Mareike abgeschlossen zu haben. Doch je näher der Zeitpunkt ihres Wiedersehens rückte, desto nervöser wurde er. Es war nicht nur die Angst, Mareike könnte etwas mit ...weiter
15. Männerrunde
Martin sah Nora und ihrem Begleiter fassungslos hinterher. Der Appetit war ihm gründlich vergangen und nur ein Gedanke beherrschte ihn ‘Was führte dieses Miststück im Schilde?’ Er entschuldigte sich bei dem Kellner, der ihn mit der Speisekarte in der Hand erwartungsvoll ansah und verließ das Restaurant. Er hatte in den letzten Tagen viel nachgedacht und die Insel intensiv erkundet. Das hatte seine Gedanken geordnet und den Kopf frei gemacht. Nachdem er ein paar Mal bei Mareike vor verschlossener Tür gestanden hatte, war er zu der Überzeugung gelangt, dass jeglicher Druck ...weiter


