Thu, 25 Jun 2009

Sie trägt dich im Bauch, sie trägt dich im Arm,

ein Kind wird von seiner Mutter in irgendeiner Weise

immer durchs Leben getragen.

Sie beschützt dich als Kind bei Tag und bei Nacht,

»GLÜCK«

Sat, 20 Jun 2009

Glück im Leben

gesellt sich gerne auf tieferen Ebenen

einfach dazu

macht sich nicht fest an Stellen oder Dingen,

Außen gar

Glück trägt …

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    Ein Start – vier Stories

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    Sie schloss die Wohnungstür auf und erstarrte. Aus dem Wohnzimmer erklang Ravels ‚Bolero’…

    dessen  immer wiederkehrende Grundmelodie sich bereits zum fast jazzartigen Ende hin gesteigert hatte. Ihre Wohnung war erfüllt vom hämmernden Rhythmus, vom Klang der einzelnen Instrumente, die sich zum Finale hin gegenseitig anzufeuern schienen.
    Sie blieb im Flur stehen, hielt für einige Sekunden den Atem an und überlegte.
    Wer war während ihrer Abwesenheit in ihre Wohnung eingedrungen und sorgte gerade im Moment ihrer Rückkehr mit dieser Musik für deutlich spürbares Herzklopfen.

    Vorsichtig warf sie einen Blick in das Wohnzimmer. Auf dem kleinen Tisch vor dem Sofa standen unzählige Teelichter und sorgten für eine fast feierliche Atmosphäre in dem ansonsten dunklen Zimmer. Sie betrat das Zimmer und schaltete den CD-Player ab.  Das Zimmer, eben noch angefüllt mit tanzenden Tönen, versank in einer unheimlichen Stille.
    Sie lauschte – doch außer dem Ton ihres vor Anspannung laut klopfenden Herzen -  konnte sie keine weiteren Geräusche vernehmen.
    Obwohl sie noch ihre warme Jacke trug, fröstelte sie. Das beklemmende Gefühl von Erwartungsangst ließ kalte Schauer über ihren Rücken laufen.
    Sie ließ sich in den Sessel fallen und betrachtete das Flackern der kleinen Lichter, die nach und nach verloschen.
    Es war nicht das erste Mal, das etwas Ungewöhnliches passierte. Über Monate hinweg geschahen Dinge, die sie sich nicht erklären konnte, doch zum ersten Mal war jemand in ihre Wohnung eingedrungen. Sie fühlte ein aufkommendes Gefühl von Unwohlsein beim Gedanken, dass ein ihr Unbekannter ihre Privatsphäre verletzt hatte. Sicher, es war ihr bisher kein materieller Schaden entstanden, aber das Bewusstsein, dass jemand ungehindert bei ihr ein und ausgehen konnte – offensichtlich ihren Tagesablauf bis ins Detail kannte – führte zu einer heftigen Panikattacke.

    Sie bemühte sich, die Ereignisse der vergangenen Wochen nochmals zu rekonstruieren.
    Da war die Pizzalieferung kurz vor Mitternacht, die sie jedoch als ein Versehen des Lieferservice abgetan hatte. Nur ein paar Tage später lag ein Blumenstrauß mit einer Karte vor ihrer Wohnungstür – „Danke für den bezaubernden Abend“  – Bestimmt hatte jemand die Wohnungstüren verwechselt. 

    Sie schüttelte den Kopf.  Gab es einen Zusammenhang zwischen diesen Ereignissen und den sich häufenden Telefonanrufen, bei denen der Gesprächspartner immer wieder auflegte.  Es könnten wirklich Zufälle gewesen sein. Zufälle?
    Plötzlich fiel ihr der Handwerker ein, der völlig überraschend vor ihrer Tür stand, sie mit durchdringendem Blick von oben bis unten musterte und die Heizungsventile reparieren wollte.  Eine Anfrage beim Vermieter verlief ergebnislos – niemand wusste etwas von beauftragten Handwerkern.

    Ihre Gedanken wurden durch das Klingeln des Telefons unterbrochen. Zögerlich meldete sie sich und hörte nur ein leises Atmen. Sie schrie ein unfreundliches  „Hallo“ in den Hörer und vernahm daraufhin ein leises Lachen – dann wurde aufgelegt.

    Allmählich wurde ihr klar, dass sie in das Visier eines ‚Stalkers’ geraten war. Wer auch immer sich hinter all diesen Vorkommnissen verbarg – diese Person kannte sie ganz genau und wusste, sie in Panik zu versetzen. Was würde wohl noch alles passieren?

    Sie konnte das nicht zulassen! Ihre Lebensqualität hatte gelitten, Schlaflosigkeit und Panikattacken quälten sie; ihr Misstrauen gegenüber ihren Mitmenschen wuchs ständig.
    Als einzigen Ausweg sah sie einen Wohnungswechsel, in der Hoffnung, dass dies dem unheimlichen Verfolger verborgen blieb.
    Gleich morgen würde sie alle dafür notwendigen Schritte unternehmen. Für die erste Zeit wollte sie bei einer Freundin wohnen.

    Auf dem Weg zur Hausverwaltung am nächsten Morgen traf sie den Hausmeister der Wohnanlage. Sie grüßte ihn knapp, da er ihr nicht sonderlich sympathisch war. Er trat ihr jedoch in den Weg und versuchte ein Gespräch zu beginnen. „Lassen sie mich in Ruhe!“, brach es aus ihr heraus. „ich ziehe hier so schnell wie möglich aus!“ Der Blick aus ihren Augen spiegelte ihre Angst wider und sie begann zu laufen – nur weg!

    Was sie nicht mehr sah. Der Hausmeister nahm ein Handy aus der Tasche, tippte eine Nummer und sagte mit einem breiten Grinsen: „Die Wohnung wird frei! Sie können mir die Vermittlungsprovision überweisen!“

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    Unvermutet

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    Fröhliche Musik klang aus dem Radio – Melodien bei denen sie einfach mitpfeifen musste. Es war noch früh am Morgen – mit einer Tasse Kaffee und der Tageszeitung machte sie es sich noch im Schlafanzug auf dem Sofa gemütlich. Es war einer der wenigen Vormittage, der frei war und zum Verbummeln der Zeit einlud. Sie überflog die Überschriften des regionalen Teils der Zeitung, von denen nur einige ihr Interesse weckten und sie dann den gesamten Artikel las. Meist aber waren es Berichte über ländliche Ereignisse, die sie wenig spannend fand. So legte sie nach einiger Zeit die Zeitung aus der Hand, trank den schon fast kalten Kaffee in einem Zug aus, streckte sich einmal und erhob sich vom Sofa um ins Bad zu gehen. Sie freute sich auf eine warme Dusche, die ihre Lebensgeister nun völlig in Schwung bringen sollten. Ein neues Duschgel mit exotischem Duft stand bereit und während sie ihren Schlafanzug ablegte, summte sie die Melodie ‚Lucky Day’ aus dem Radio mit. Warmes Wasser prasselte auf ihren Körper, sie schloss die Augen und genoss die wohlige Wärme auf der Haut. Der Duft des Duschgels ließ sie an duftende Blüten denken. Mit kreisenden Bewegungen glitt ihre Hand über ihren Körper. Plötzlich hielt sie inne und trotz des warmen Wassers lief ihr eine Gänsehaut über den Rücken. Was war das? Noch einmal tastete sich ihre Hand suchend zu der Stelle, die sie eben berührt hatte. Vorsichtig, fast ängstlich strich sie über die Haut ihrer rechten Brust. Deutlich spürte sie eine kleine Verhärtung, nicht sehr groß, aber auffällig. Sie zuckte zusammen. Ein flaues Gefühl machte sich in ihrer Magengegend breit und sie musste würgen. Ihr Kopf war von einer Minute zur anderen nicht in der Lage einen klaren Gedanken zu fassen. Sie stellte das Wasser ab, griff sich den Bademantel, zog ihn an und setzte sich auf den Rand der Badewanne, da sie merkte, dass ihre Beine zitterten. ‚Keine Panik!’ versuchte sie sich selbst zu beruhigen. Erneut fuhr sie mit dem Zeigefinger der linken Hand über die Haut unter der rechten Brustwarze und noch einmal, immer wieder in der Hoffnung, sich geirrt zu haben. Es gab keinen Zweifel, da war etwas, was sie noch niemals vorher gespürt hatte. Sie schluckte, Tränen stiegen in ihre Augen und liefen ihr dann über die Wangen. Zu viel hatte sie schon in allen möglichen Zeitungen darüber gelesen – Knoten in der Brust – das erste Anzeichen der tödlichen Krankheit Krebs. Minutenlang wurde sie von einem Weinkrampf geschüttelt. Sie – warum gerade sie? Mit ihren nur 25 Jahren sollte sie sich nun mit Gedanken an eine tödliche Krankheit auseinandersetzen? Sie wollte leben, heiraten, eine Familie gründen – sollte das alles nur ein Traum bleiben? Wie mechanisch erhob sie sich und ging in das Wohnzimmer. Sie griff nach dem Telefon und wählte die Nummer ihrer Firma. Kurz und knapp, ohne weitere Erklärungen, meldete sie sich für den heutigen Tag krank. Danach tippte sie die Nummer ihres Hausarztes. ‚Einen Termin – heute? Unmöglich!’ – alles höfliche Bitten half nichts, die Arzthelferin blieb stur. „Es geht um Leben und Tod!“ schrie sie in das Telefon – Schweigen auf der anderen Seite der Leitung. „Heute – 17 Uhr – ja!  Vielen Dank!“ Es ging also doch! Noch endlos lange Stunden bis zum Termin lagen vor ihr – Zeit, in der sich die Gedanken nur um das eine Thema drehen würden. Immer wieder fiel ihr Blick auf die Uhr, deren Zeiger sich heute scheinbar nur im Schneckentempo bewegten. Sie lief durch ihre Wohnung, setzte sich und nahm ein Buch in die Hand um es dann nach wenigen Minuten wieder aus der Hand zu legen. Sie griff das Telefon – doch wen sollte sie anrufen? Wer würde ihr zuhören? Was sollte sie erzählen?  Sie verwarf den Gedanken, zog die Beine auf das Sofa und versank ins Grübeln. Ihre Gefühlswelt war zusammengebrochen; sie stand unter Schock. Das Gefühl des absoluten Alleinseins, obwohl sie Familie und Freunde hatte, umfasste sie. Das Klingeln des Telefons ließ sie hochschrecken, doch sie nahm das Gespräch nicht entgegen. Ihr Blick fiel auf die Uhr und sie musste feststellen, dass bereits mehrere Stunden vergangen waren und es nun  Zeit für den Arztbesuch wurde. Sorgsam wählte sie ihre Kleidung aus, schminkte sich dezent, um ihre Blässe zu verdecken und machte sich auf den Weg zum Arzt. Abgelenkt durch das Leben auf der Straße, gelang es ihr sogar, die Gedanken an eine möglicherweise lebensbedrohende Krankheit eine Zeit lang zu verdrängen, doch als sie die Praxis ihres Hausarztes betrat, hatte auch das beklemmende Gefühl von Panik sie wieder eingeholt. Die wenigen Minuten, die sie sich noch im Wartezimmer gedulden musste, schienen nur schleppend zu vergehen. Dann endlich saß sie ihrem Hausarzt gegenüber und trug ihm ihre Entdeckung und die daraus resultierenden Sorgen vor. Der Arzt hörte schweigend zu, machte hier und da ein paar Notizen, um sie schließlich nach einer gründlichen Untersuchung mit ruhiger Stimme über die Diagnose und den weiteren Verlauf der Behandlung zu informieren. Er machte ihr Mut – sie sei rechtzeitig zur Behandlung gekommen, zeigte ihr die positiven Aspekte des Befundes und die beträchtlichen Chancen auf vollständige Heilung auf. Obwohl sie die Bestätigung ihrer Vermutung doch wie Blitzschlag traf, bewahrte sie nun die Fassung. Ja – sie wollte leben! Dafür würde sie auf das Wissen und Können der Ärzte vertrauen und ihnen glauben. Die genauere Therapie würde in den nächsten Tagen festgelegt werden. Als sie die Praxis verließ, liefen Tränen über ihr Gesicht – die Anspannung der letzten Stunden löste sich; sie fühlte sich durch die einfühlsame Art ihres Arztes seelisch gestärkt. Schritt für Schritt würde sie alles daran setzen, das Ziel zu erreichen und die Krankheit in ihrem Körper zu besiegen.

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    Abschied

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    Jeder Tag unseres Lebens konfrontiert uns mit großen oder kleinen Abschieden – vielleicht,  nicht bewusst, um sie zu realisieren, aber vielleicht auch wissend und wohl bedacht. Wir sind gezwungen zu lernen, sie als Herausforderung anzunehmen und erkennen oftmals erst viel später, dass jeder Abschied einen Neuanfang in sich trägt.

    Bereits ein früher Morgen bringt den Abschied von der Nacht, die uns mit Träumen geborgen hielt. Wir müssen Abschied nehmen von Träumen, egal ob sie uns sanft umschlungen oder innerlich aufgewühlt haben. Psychisch erlebtes Geschehen wird durch das aufgehobene Bewusstsein zu etwas Unwirklichem – was aber dennoch emotional erlebt wurde und uns über den Traum hinaus beschäftigt kann.

    Es folgt nur wenig später der Abschied von den Kindern, die morgens das Haus verlassen, vom Partner – immer in der Hoffnung, dass es nur ein Abschied für eine gewisse Zeit ist.
    Manchmal aber, ohne jegliche Vorwarnung, ist es jedoch ein Abschied für immer. Wie häufig berichtet die Presse über tragische Unfälle – wie oft werden Menschen ganz plötzlich aus ihrem Lebensumfeld gerissen. Sind wir uns wirklich bewusst, dass es auch uns treffen könnte – an jedem Tag, zu jeder Stunde – auch in dieser Minute?

    Im weiteren Verlauf des Tages kann es passieren, dass wir uns von Träumen und Ideen verabschieden, weil wir bemerken, dass diese nicht oder nur wenig realisierbar sind. Das Gefühl von Versagen oder der nicht ausgesprochene Vorwurf einer Niederlage ist bedrückend und lastet wie Blei auf der Seele.

    Besonders schwer fällt der Abschied von Menschen, die einen Teil des Lebens ein Wegbegleiter waren; dem Leben, vergleichbar einer Straße, gemeinsam gefolgt sind. Keiner weiß vorher, wann und wo sie endet wird – die gemeinsame Etappe. Menschen, Freunde wie auch Feinde, hinterlassen Spuren, begleiten uns lange – manche kreuzen nur flüchtig unseren Weg und werden aber trotzdem nicht vergessen

    Manchmal aber nimmt deren Weg überraschend und unverhofft, eine andere Richtung oder der Schritttakt ist nicht mehr gleich. Authentizität geht verloren, an ihre Stelle tritt Selbstgefälligkeit und Intoleranz – der Blick ist getrübt und verächtlich, unempfänglich für ein Miteinander.
    Für eine Weile sind dann die eigenen Schritte unsicher, schleppend – das Innerste bedrückt und in die Defensive gedrängt, doch immer in der vagen Hoffnung, entgegen aller Divergenzen die Harmonie auf den Weg zurückzubringen. Mit Ernüchterung, aber erwartungsfroh blickt man nach einiger Zeit wieder in die Zukunft – im Bewusstsein, dass man andere Wegbegleiter finden wird, die mit neuen Impulsen und in einem verträglichen Miteinander den gleichen Schritt entdecken, dabei aber nicht versuchen, das eigene, möglicherweise unterschiedliche Schritttempo aufzuzwingen.

    Manche Abschiede sind in ihrer Art sehr leise – Worte werden immer weniger und versiegen schließlich ganz – andere sind laut und verletzend – Wörter, deren Bedeutung zuweilen falsch interpretiert wird, wechseln von Seite zu Seite, um schließlich abrupt zu enden. Sprachlosigkeit macht sich breit und wird unüberwindbar.

    Auch dies ist ein Abschied, ohne Groll und Ressentiment – aber mit dem festen Glauben an eine neue Chance…

    Bis zum Wiederlesen – irgendwo und irgendwann…

    Manja

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