Auf den Hund gekommen (4)
Feuer und Wasser
Man könnte meinen, wir trüben kein Wässerchen, ein wahrer Irrtum. Unser Vater ist ein beständiger, ruhiger und charakterfester kleiner Mann und ich, als die um einen Tag Ältere, habe seine Gene geerbt. Marci allerdings scheint eher nach ihrer quirligen Mutter zu kommen. Ich liebe sie abgöttisch, wir spielen und toben zusammen und passen immer aufeinander auf und nachts schlafen wir eng aneinander gekuschelt in unserem Körbchen…
Aber ich musste sie schon mehrmals deutlich in ihre Schranken weisen. Wir haben in der ersten Woche schon einige Begriffe gelernt. Wenn Frauchen sagt „Körbchen“, dann weiß ich, was sie damit meint und gehe ins Körbchen. Nicht so Marci. Sie liegt immer auf der Lauer, was sie noch erkunden, anknabbern und anstellen könnte. Erst wenn sie absolut nichts mehr findet, kommt sie. Meist bin ich dann schon am Einschlafen, aber das interessiert Marci herzlich wenig. Mit einem Sprung landet sie dann auf mir, knabbert an meinen Ohren, zwickt mir in die Pfoten oder steckt sogar eine ganze Pfote ins Maul und knabbert darauf herum. Am wenigsten mag ich, wenn sie mich am Schwanz hinter sich herziehen will. Eigentlich habe ich ein Gemüt wie ein Schaukelpferd, aber was zuviel ist, ist zuviel. So musste Marci schon einiges einstecken, wenn es mir zuviel wurde und ich mich deutlich gewehrt habe.
Vor ein paar Tagen hat sie zum ersten Mal richtig gebellt. Ich konnte das schon, genauso wie ich die Stufe vor der Haustür von Anfang an leichtfüßig erklommen habe. In meiner Hundefamilie durfte ich im Bett von Pflegemama Barbara schlafen, daher habe ich das Springen schon früh trainiert. Marci stand in den ersten zwei Tagen mit den Vorderpfoten auf der Stufe und maulte, bis sie jemand die Stufe hochhob.
Wenn wir miteinander toben, geht es hoch her. Marci quiekt wie ein kleines Ferkelchen und wenn sie mir zu grob wird, wehre ich mich. Dabei sind schon Tränen beiderseits geflossen. Herrchen und Frauchen liegen dann immer ganz gespannt auf der Lauer, aber sie greifen selten ein, denn wir müssen ja lernen, wie man miteinander spielt.
Marci jedoch hat, im Gegensatz zu mir, schneller gelernt, ihr Geschäftchen draußen zu machen. Wenn wir im Garten sind, bin ich immer so aufgeregt, weil ich immer wieder Neues entdecke, alte Blätter, oder vertrocknete Zweige, an denen ich gern knabbere. Wenn Marci was Neues findet, ruft sie mich und dann vergesse ich schnell, dass ich ja noch was vorhatte. Aber an der Eingangstür haben wir eine extra Matte für das Übel und spätestens dann erinnere ich mich.
Seit zwei Tagen liegt ganz viel Schnee im Garten, so dass wir bis zum Bauch in der weißen Pracht stehen können. Brrr, ist das kalt, aber es macht Spaß, wie ein Kaninchen durch den Schnee zu springen.
Am Freitag hatten wir ein ganz besonderes Erlebnis. Wir mussten zum ersten Mal mehrere Stunden alleine bleiben, denn ab morgen geht Frauchen wieder in die Schule, und Herrchen kommt sowieso erst abends von der Arbeit. Wir haben uns auch, so gut wir konnten, benommen und uns mal wieder richtig ausgeschlafen. Nachmittags wurde die Haustür aufgeschlossen und die Nachbarin kam, um uns für eine Weile zu sich zu holen. Wir tollten erst eine Weile durch den Schnee und dann ging es ab nach nebenan. Vor lauter Freude über den Schnee hatten wir etwas ganz Wesentliches vergessen. Na, Ihr könnt Euch sicher denken, was??!! War mir das peinlich, dass die Nachbarin unser Geschäftchen erst einmal vom Küchenfußboden entsorgen musste! Marci kümmerte das wenig, sie hatte nur Augen für Blessi, die große schwarze Hündin der Nachbarn , mit der ich schon am Zaun Schnupperkontakt aufgenommen hatte. „Gib nicht so an“ flüsterte ich Marci zu. „sie ist so groß wie ein Schäferhund und wir sind und bleiben Zwergdackel.“ Blessi legte sich zu uns auf den Fußboden und erlitt geduldig, was wir mit ihr anstellten. An ihre langen Ohren konnten wir uns prima ranhängen, in ihrem schwarzen Fell konnten wir nach Herzenslust kraulen und selbst, als Marci sie mehrfach am Schwanz zog, reagierte Blessi nur mit kaum merklichem Kopfschütteln. Sie ließ es auch geduldig über sich ergehen, daß wir ständig auf ihr herumsprangen und über ihren Rücken balancierten. Nach gut einer Stunde jedoch zog Blessi es vor, wieder nach draußen zu gehen und nach den beiden Katern Ausschau zu halten, mit denen sie nachts ihr großes Körbchen teilt.
Das hat einen Heidenspaß gemacht, Marci und mir auf jeden Fall, Herrchen und Frauchen schienen nicht so begeistert. Als Babyhund hat man ja schließlich noch ein wenig Narrenfreiheit.
Tschüss für heute
sagen Euch
Marci und Cara
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