Auf den Hund gekommen (5)
Mittlerweile sind wir neun Monate alt und haben nichts als Flausen im Kopf. Mit dem menschlichen Alter verglichen sind wir etwa 15 Jahre alt und mitten in der Pubertät. Frauchen stöhnt oft, wenn wir nicht genau zuhören „Das ist ja wie in der Schule!“
Wir hatten bisher einen schönen Sommer, haben unseren Garten erkundet und an manchen Stellen auch durch Löcher im Boden neu gestaltet. Vieles, was für uns neu war, haben wir mit unseren Zähnen genau untersucht: Blüten diverser Blumen, rote Johannisbeeren, Kaninchendraht am Gartenzaun… Herrchen und Frauchen waren nicht immer davon begeistert.
Wir sind ausgewachsen, aber im Gegensatz zu normal großen Dackeln kleiner, denn wir sind schließlich Zwergdackel. Als uns kürzlich Frauchens Kollegin mit ihren zwei Dackelhündinnen besuchte, haben wir eine richtige Party im Garten veranstaltet.
Aber wir hatten auch bereits unangenehme Erlebnisse. Wir haben zwar eine nette Tierärztin, die auch mit unserem Gesundheitszustand sehr zufrieden ist, und aber dennoch einige Milchzähne ziehen musste, die schon von den neuen Zähnen so eingeklemmt waren, dass sie von alleine nicht herausgefallen wären. Das war nicht so toll. Wir durften lange davor und danach nichts essen und trinken, bekamen einen ordentlichen Pieks, damit wir nichts merken, hatten beide danach eine regelrecht geschwollene Schnauze und waren für einen Tag leicht komatös. Aber – vorbei, inzwischen können wir wieder kraftvoll zubeißen.
Mittlerweile haben wir sehr unterschiedliche Vorlieben entwickelt. Cara ist die Ruhigere von uns beiden, sehr gehorsam und pflegeleicht. Sie ist schlank und drahtig und springt wie eine Feder gerne hoch. Einmal gelang es ihr sogar, zu Herrchen in den Swimmingpool zu springen. Das hat sie mächtig schockiert, denn sie mußte ja plötzlich schwimmen. Herrchen staunte nicht schlecht.
Ansonsten ist sie immer noch sehr zurückhaltend und macht sich schnell aus dem Staube, wenn sie einen Staubsauger oder Rasenmäher sieht.
Im Gegensatz zu Cara bin ich recht unerschrocken. Ich bin zwar keine Badenixe und kann auch nicht so hoch springen wie Cara, dafür fahre ich leidenschaftlich gerne Trecker. Das ist das Schönste, wenn Herrchen mit seinem Rasentrecker mäht und ich vorne in einer Art Fahrradkörbchen sitze, mich beim Fahren synchron zu Herrchen in die Kurven lege und der Wind durch mein Fell saust.
Wir passen wie Topf und Deckel zusammen, aber es gibt auch Situationen, in denen wir uns streiten. Ich muss zugeben, da ich die Kleinere von uns beiden bin, brauche ich viel Aufmerksamkeit. Und wenn ich das Gefühl habe, Cara wird ein paar Sekunden länger gestreichelt als ich, gehen bei mir ein paar Sicherungen durch und ich knurre, um mich deutlich bemerkbar zu machen.
Was ich auch absolut nicht mag, ist zu frühes Wecken. Cara macht die Augen auf und ist mopsfidel und ich bin dagegen ein richtiger Morgenmuffel. Erst wenn ich an der frischen Luft bin und mich einmal mächtig durchgestreckt und –gedehnt habe, erwachen meine Hundegeister. Und dann tobe ich mich nach Herzenslust aus.
Wenn Cara schon wieder die nächste Schlafphase eingeläutet hat, bin ich immer noch auf Entdeckungsreise oder spiele oder liege einfach nur faul in der Sonne.
Auch ein Hundeleben ist kurz und will genossen werden.
In diesem Sinne grüßt euch bis bald mal wieder Dackeldame Marci.
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