Gewitterluft

Seit Tagen braut sich etwas zusammen.  Ich spüre es, aber ich kann es nicht greifen.
Du bist schlecht gelaunt, noch schweigsamer als sonst und ich merke, wie du mich verstohlen beobachtest.
Ich zerbreche mir den Kopf. Habe ich etwas Falsches gesagt?  Habe ich irgend etwas nicht richtig gemacht? Ich bin mir keiner Schuld bewusst.
Auf meine vorsichtigen Fragen, ob etwas sei, es dir nicht gut ginge, die irgend etwas unter den Nägeln brennt, reagierst du immer gleich. „Was soll denn los sein? Es ist alles in Ordnung.“

Ich könnte platzen! Natürlich ist etwas! Es gibt etwas, was dir auf der Seele liegt!
Es ist immer das Gleiche! Du schmollst vor dich hin, kehrst den Introvertierten heraus, strafst mich mit Schweigen und machst alles mit dir alleine ab.

Unsere Wahrnehmungen verschieben sich, je länger deine Schmollphase dauert. Deine Wahrnehmung wird immer mehr zu deiner Realität. Und ich habe – wie immer – keine Chance, etwas dagegen zu setzen.

Die Luft ist schwül, das Atmen fällt mir schwer. Ich wünsche mir nur eines, dass es donnert und blitzt, dass es nur so niederprasselt, dass die Worte sich den Weg aus deinem Inneren bahnen und deine Seele sich entlädt.

Nur so wird  die Luft wieder klar und rein und wir haben den Sauerstoff, den wir zum Leben brauchen.

 

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