Falsch verbunden

Wie hypnotisiert starre ich auf den Anrufbeantworter. In regelmäßigem Abstand von etwa fünfzehn Minuten rufst du an, aber ich gehe nicht ans Telefon.

„Wo steckst du?“
„Wenn du da bist, gehe bitte ran!“
„Ich wollte mich für gestern entschuldigen, aber ich konnte nicht weg.“
„Ich noch mal, aber du bist scheinbar immer noch nicht da. … Ich melde mich wieder.“
„Bitte, verzeihe mir. Ich liebe dich!“

Du bist es gewöhnt, dass ich ans Telefon eile, wenn du anrufst.
Du hälst es für selbstverständlich, wenn du dich spontan frei machen kannst und unangemeldet vor der Tür stehst, dass ich dir freudestrahlend um den Hals falle.
Du erwartest, dass ich dir verzeihe, wenn du Versprechungen nicht einhalten kannst.

Schluss damit!!! Seit zwei Jahren spiele ich die zweite Geige in deinem Orchester. An Sonn- und Feiertagen hast du entweder keine Verwendung für mich oder überfällst mich unangemeldet mit deiner Gegenwart.
Hast du dir je Gedanken darüber gemacht, wie es mir dabei geht?

Noch steht meine Reisetasche, gepackt für ein romantisches Wochenende mit dir, im Schlafzimmer. Stundenlang habe ich gestern daneben gesessen und mir die Augen aus dem Kopf geheult, als du nicht gekommen bist.
Erst heute tauchst du aus der Versenkung auf, versuchst mich zu erreichen. Wahrscheinlich hast du wieder eine deiner üblichen Erklärungen bereit, warum du mich wieder einmal sitzen gelassen hast.

Es klingelt. Mein Taxi ist da.
Mit meiner gepackten Reisetasche fahre ich jetzt los, in ein Single-Wochenende, nur mit mir alleine. Und so soll es in Zukunft auch bleiben.

Du brauchst deiner Frau nichts mehr vorzulügen. Bleib bei ihr.
Leb wohl!

 

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