Wir geh’n jetzt zusammen
“Sag mal, Mama, wie schlimm ist das wirklich, wenn Mädchen ihre Tage haben?”, fragt mich mein Kleiner, als er aus der Schule nach Hause kommt. Keine Begrüßung, kein Hallo.
“Wieso?”
“Nur so.”
“Wie? Nur so?”
“Ich habe heute Ann-Kathrin in der 6. Stunde nach Hause gebracht, ihr ging’s echt besch… ich meine nicht so gut.”
“Naja…”, will ich beginnen, doch er spricht schon weiter.
“Echt cool, ‘ne ganze Mathestunde ist sausen gegangen, eigentlich schade, dass Jungs so was nicht haben, aber dafür müssen wir uns ja dann jeden Tag rasieren - ein Leben lang. Frauen haben es dann wieder gut, die kommen in die Wechseljahre…”
“Du kennst dich ja bestens aus”, unterbreche ich ihn, “ist das euer Thema im Biologieunterricht?”
“Bio? Nein, das weiß doch jedes Kind! Ich rufe sie heute Nachnittag mal an, wir schreiben morgen einen Chemietest…” Er verschwindet mit seinem Rucksack in seinem Zimmer.
“Essen ist gleich fertig!”, rufe ich ihm hinterher.
Ja, mein Kleiner wird groß. War es nicht noch vor ein paar Wochen, dass er mit seinem Lego-Hubschrauber in der Badewanne spielte und sich mit Freunden nachmittags zum Fußball verabredete? Seit einigen Tagen hängt ein Schild an seiner Tür: BItte klopfen!!!!. Wir mussten ein Mittel gegen Hautunreinheiten kaufen, nachdem sich ein einziger Pickel an seinem Kinn bemerkbar machte, es wird freiwillig geduscht, Haare manchmal mehrmals am Tag gewaschen und gestylt, weil sie nicht mehr richtig sitzen. Coole Klamotten und Turnschuhe sind angesagt, Computerspiele sind out, denn es wird gechattet.
Beim Mittagessen ist er ungewöhnlich still, er wirkt nachdenklich. “Ann-Kathrin findet Fleisch eklig”, sagt er plötzlich, “kann ich gar nicht verstehen… meinst du, dass wir trotzdem zusammen passen?” “Klar!”, antworte ich und spüre, dass das nicht das einzige Problem zu sein scheint. Den Schokopudding verdrückt er noch schnell, dann schnappt er sich das Telefon und igelt sich hinter verschlossener Tür ein.
Stunden später taucht er auf, strahlend, beschwingt, wie ausgewechselt. “Du, Mama, das war alles gar nicht so einfach”, fängt er das Gespräch an, “aber ich glaube, Ann Kathrin und ich, wir geh’n jetzt zusammen, nur damit du Bescheid weißt.”
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