Sie trägt dich im Bauch, sie trägt dich im Arm,
ein Kind wird von seiner Mutter in irgendeiner Weise
immer durchs Leben getragen.
Sie beschützt dich als Kind bei Tag und bei Nacht,
Sie trägt dich im Bauch, sie trägt dich im Arm,
ein Kind wird von seiner Mutter in irgendeiner Weise
immer durchs Leben getragen.
Sie beschützt dich als Kind bei Tag und bei Nacht,
Glück im Leben
gesellt sich gerne auf tieferen Ebenen
einfach dazu
macht sich nicht fest an Stellen oder Dingen,
Außen gar
Glück trägt …
Ihr Blick fiel auf den Kalender, der vor ihr auf dem Schreibtisch lag. Unter dem Datum des nächsten Tages war ein dickes rotes Kreuz…
… so groß, dass es für jeden deutlich erkennbar war. Sie fuhr mit dem Zeigefinger das Kreuz nach, sehr langsam, mit viel Gefühl, fast zärtlich.
Diese auffällige rote Markierung hatte sie vor einiger Zeit selbst eingetragen und damit einen für sie – und nur für sie – wichtigen Tag in diesem Jahr hervorgehoben. Seit langem sehnte sie diesen Tag herbei und ihr Leben war bewusst auf ihn ausgerichtet.
Von ihrem alten Leben hatte sie vor einigen Jahren Abschied genommen, hatte alle Türen hinter sich zugeschlagen und ihren Lebensmittelpunkt in einer neuen Stadt mit einem neuen Job und neuen Freunden aufgebaut.
Die Menschen, die sie kennenlernten, akzeptierten und bewunderten sie. Sie war eine schöne Frau, groß und schlank mit langen dunklen Haaren und einem fein gezeichneten, ebenmäßigem Gesicht mit ausdrucksvollen Augen. Auf ihre Kleidung legte sie besonderen Wert, wählte sie sorgsam aus, um ihre weiblichen Körperformen zu betonen, doch wann immer sie in den Spiegel blickte, ließ ihr Gegenüber sie fast verzweifeln.
Viele ihrer Kollegen hätten sie gern näher kennengelernt, doch sie verhielt sich stets korrekt – nicht abweisend, aber doch zurückhaltend. Ein Geheimnis, das niemand zu ergründen vermochte, schien sie zu umgeben.
Sie liebte und sie wollte geliebt werden. All ihr Sehnen, all ihre Phantasien, auch die sexuellen, richteten sich darauf aus – doch sie konnte es nicht zulassen – noch nicht.
Beim Blick auf den markierten Tag auf ihrem Kalender schweiften ihre Gedanken zurück in ihre Kindheit, zu ihren Eltern, zu denen sie nach endlosen Auseinandersetzungen den Kontakt rigoros abgebrochen hatte, weil sie sich von ihnen unverstanden fühlte, alleingelassen mit ihren Problemen, Für ihre Eltern war ihre Lebensweise nicht nachvollziehbar. Sie hatten sich zwar immer eine Tochter gewünscht, fanden aber in dieser Situation nicht das so notwendige Verständnis für sie.
Ihre früheren Freunde, die sie zum Teil schon aus der Schule kannten, verhöhnten und verspotteten sie. Üble und böse Worte fielen nicht nur hinter ihrem Rücken, sondern auch in ihrer Gegenwart, trafen sie hart, machten sie verletzlich und stürzten sie immer wieder in Selbstzweifel. Niemand der ihr nahestehenden Personen war in der Lage, ihr bei der Überwindung von Angst und Verzweiflung wegen der zahlreichen großen und kleinen Hindernisse zur Seite zu stehen.
Ihre psychische Kraft ließ in zunehmendem Maße nach und sie suchte Rat und Hilfe bei Ärzten. Nicht immer geriet sie an einen verständnisvollen Arzt – viele erkannten die Notwendigkeit der Behandlung, wichen aber vor dem verantwortungsvollen letzten Schritt zurück.
Es dauerte lange, bis sie einen Arzt fand, dem sie ihr vollstes Vertrauen schenken
und in langen Behandlungsterminen immer mehr ihrer so schwer belasteten Seele preisgeben konnte. Mit der Hilfe dieses Arztes führte ein sehr langer Prozess sie zu ihrem eigenen Standpunkt und zur Aussicht auf eine befriedigende Lösung.
Sie durchlebte einen therapeutisch begleiteten Selbstfindungsprozess, der ihre Identität auch im täglichen Alltag lebbar machte.
Die medizinische Unterstützung durch die verschiedensten Arzneimittel wirkte sich auf ihre Psyche meist beruhigend aus, was sie als sehr angenehm empfand.
In den vergangenen Monaten konnte sie sich auf den letzten Schritt, von dem es kein Zurück gab, selbstbewusst vorbereiten.
Endlich würde der äußere Körper auch zu ihren innerlichen Gefühlen passen.
Ein letztes Mal blickte sie in den Spiegel als Michael – morgen würde ihr Michaela zurücklächeln.
Der Oktober beginnt mit einem neuen Anfang für unser Schreibprojekt:
Ihr Blick fiel auf den Kalender, der aufgeschlagen vor ihr auf dem Schreibtisch lag. Unter dem Datum des nächsten Tages war ein dickes rotes Kreuz…
Seien Sie gespannt und lassen Sie sich überraschen, welche Geschichten sich aus diesen zwei Sätzen entwickeln werden.
Die LiteraTussis!