Monotonie des Alltags
5.55 Uhr – der Wecker klingelt eindringlich und erbarmungslos. Noch einmal zieht er die Bettdecke weit über die Schultern. Nach wenigen Minuten schaltet sich auch das Radio ein. Im Halbschlaf hört er die Nachrichten samt Verkehrshinweisen und Wetterbericht. Jetzt wird es Zeit, aufzustehen! Der Blick fällt auf das Bett neben ihm. Gleichmäßige, tiefe Atemzüge – nur unterbrochen von leisen Schnarchtönen – dringen an sein Ohr. Zärtlich streicht seine Hand über die ihm zugewandte Schulter. Vorsichtig und leise verlässt er das Schlafzimmer, um ins Badzimmer zu gehen und schließlich sein Frühstück vorzubereiten. Bei einer Tasse Kaffee, einem Toast und einem flüchtigen Blick in die Tageszeitung beginnt der Tag nun richtig. Bevor er das Haus verlässt, wirft er noch einen Blick ins Schlafzimmer. Sie schläft noch zu fest, um den zart auf die Wange gehauchten Kuss zu spüren. Dann fällt die Tür ins Schloss.
Später wird sie aufstehen, die normalen Dinge des Tagesablaufes regeln und sich selbst auf den Arbeitstag vorbereiten. Zwischendurch wird das Telefon klingeln und er wird ihr einen guten Morgen wünschen. Das war immer so – seit dem Moment, an dem sie sich kennen und lieben gelernt hatten, verging kein Tag, ohne dass sie nicht mehrmals miteinander telefonierten, sich – wenn auch nur mit einem kurzen Gruß und ein paar Worten – miteinander austauschten.
Beide kehren erst am späten Abend von der Arbeit nach Hause zurück. Meist ist er als Erster zu Hause und bereitet das Abendessen von. Wenn sie zur Tür hereinkommt, nimmt er sie in den Arm und begrüßt sie mit einem Kuss. Zärtlich, liebevoll – jeden Tag! Beim Abendessen lässt er sie an seinen Erlebnissen des Tages teilhaben, sucht ihren Rat, so wie auch er Anteil an ihren Alltagssorgen nimmt und seine Meinung dazu kundtut. Die restliche Zeit des Abends verbringt jeder mit den Tätigkeiten, die für ihn notwendig sind – nicht aber ohne der Gegenwart des anderen bewusst zu sein. Beim Fernsehen findet seine Hand die ihre und unter deren sanften Druck spürt sie, wie seine Gefühle den direkten Weg zu ihrem Herzen finden.
Die scheinbare Monotonie des Alltags, sowie die immer wiederkehrenden Rituale haben beide nicht in eine Gleichgültigkeit abrutschen lassen, sondern stärken die Beziehung zueinander jeden Tag auf das Neue, machen sie zu etwas Besonderem - unangreifbar für Angriffe von außen – unerschütterlich gegenüber negativen Einflüssen.
Die Monotonie des alltäglichen gemeinsamen Lebens beider bildet die Grundlage für die harmonische Monotonie eines glücklichen und zufriedenen Lebens – gestern, heute, morgen und übermorgen…
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