Erinnerung
Beim Aufräumen fiel es mir in die Hand – ein Bild dessen Farben schon fast verblasst waren und dennoch ließ es die Erinnerung in all ihren bunten Facetten wieder aufleben.
Schon am ersten Tag, als wir uns zufällig mit einem gemeinsamen Freund in einem Cafe trafen, wusste ich beim Blick in deine blauen Augen, dass es nicht bei diesem einen Treffen bleiben würde. Ich weiß heute nicht mehr genau, wie es dazu kam, dass wir uns wieder sahen, aber in den folgenden Monaten verbrachten wir mehr und mehr Zeit miteinander.
Wir hatten uns immer etwas zu sagen, uns ging der Gesprächsstoff nicht aus. Wir entwickelten gemeinsame Interessen, zogen mit der Kamera tagelang durch die Gegend, um dann in der Dunkelkammer die Bilder selbst zu entwickeln. Wir waren einander das liebste Fotoobjekt, jeder trug das Bild des anderen immer bei sich.
Ich trug es auch in meinem Herzen. Plötzlich sah ich dich mit anderen Augen und bemerkte, dass ich mich in dich verliebt hatte. Ich liebte dich aufrichtig, ohne wenn und aber – die Gefühle, die ich für dich empfand, taten mir fast körperlich weh – du warst meine erste große Liebe.
Mit all meiner Ehrlichkeit gestand ich dir eines Tages meine Gefühle, da ich sie nicht mehr verbergen konnte und verheimlichen wollte. Du hast sie nicht erwidert, du wolltest es nicht! Für dich war ich nur ein Alibi – aber das sollte ich erst später erfahren.
Ich liebte dich so sehr, dass ich meine eigenen Gefühle in den Hintergrund rückte, nur um in deiner Nähe zu sein. Alles hätte ich für dich getan - das wusstest du nur zu gut auszunutzen, aber es machte mir lange Zeit nichts aus.
Wir verbrachten auch weiterhin nach wie vor viele Stunden des Tages miteinander, jedoch abends zog sich jeder in seine Wohnung zurück – ich allein und du mit deinem WG-Partner.
Ich nahm die Welt um mich herum nicht mehr wahr – du warst der Mittelpunkt meines Lebens – alles war nach dir ausgerichtet. Meine Freunde warnten mich, doch ich schlug ihre Warnungen in den Wind. Viel später erst bemerkte ich, dass sich andere bemühten, Interesse für sich bei mir zu wecken, doch ich blieb blind – blind vor Liebe.
Eines Tages aber geschah es. Ich half dir beim Umzug und fand einen Liebesbrief deines WG-Partners an dich. Wie Feuer brannte er auf meinem Herzen - er war unmissverständlich – eure Beziehung dauerte bereits Jahre und sie hatte bereits bestanden, als ich in deinem Leben auftauchte.
Für mich brach die Welt zusammen. Es fiel mir schwer, mich wieder auf mich selbst zu konzentrieren, dieses Gefühlschaos zu verarbeiten. Ich tobte, sann auf Rache, weinte bittere Tränen – das Auf und Ab meiner Stimmungen machte mir selbst Angst.
Letztendlich heilte die Zeit die Wunden auf meinem Herzen und doch musste ich feststellen, dass ich dich für das Geschehene nicht hassen konnte. Dein Bild prägte sich in meinem Herzen ein und auch noch heute sehe ich dich ab und zu in meinen Gedanken und Träumen, so wie ich dich von damals in Erinnerung habe.
Die Erinnerung mildert Negatives.
Mein Herz gehört heute einem anderen und doch ist noch immer ein kleines Stückchen davon für dich reserviert und wird es auch sicherlich bleiben, bis ans Ende meines Lebens.
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