Happy End?

Bevor er mit der Lesung seines neuen Kriminalromanes begann, schweifte sein Blick durch den Saal. Zufrieden registrierte er, dass alle Plätze belegt waren. Er konnte beginnen. Mit ein paar einleitenden Worten begrüßte er die Zuhörer , bedankte sich für ihr Kommen und versprach ihnen eine halbe Stunde Unterhaltung mit Gänsehautgarantie. So kannte man ihn, Simon P., den erfolgreichen Autor ...weiter

Claras kleines Familienunternehmen (5)

Frau Nolte Es war noch früh am Morgen, als Clara mit roten Wangen und heftig atmend am Gartentor ihres schmucken Einfamilienhauses ankam. Sie stampfte mehrmals mit den Füßen auf, um das Gemisch von Schnee, Lehm  und Laub nicht in den eigenen Garten zu schleppen, klopfte ihre Nordic Walking Stöcke ab und öffnete das Tor. Dabei fiel ihr Blick auf den Nachbareingang und den Briefkasten, aus ...weiter

Käthe und Anton

Müde saß er am Küchentisch und legte das Gesicht in seine runzligen Hände. Seit Tagen saß ihm ein Kloß im Hals, der wie ein Abzess von Tag zu Tag dicker wurde. Wie sollte es weitergehen? Verstohlen wischte er sich über die feuchten Augen, denn Käthe kam in die Küche. Sie sollte seine Tränen nicht sehen. „Wollen wir  essen? Es ist alles fertig.“ Er nickte ihr freundlich zu, erhob ...weiter

Ein Start - vier Stories

Sie schloss die Wohnungstür auf und erstarrte. Aus dem Wohnzimmer erklang Ravels ‚Bolero’. Ihr Herz schien für einen Moment auszusetzen, um dann mit der dreifachen Geschwindigkeit  loszuschlagen. Schweißperlen zogen wie ein feiner Film über ihr Gesicht,  sammelten sich und rannen in winzigen Rinnsalen den Hals hinab. Für einen kurzen Moment blickte sie hinter sich in das noch ...weiter

Freitagsgesichter

An diesem Freitagmorgen hingen die grauen Wolken so schwer und  tief vom Himmel, als wollten sie sich auf den Asphalt der Straße legen. Seit zwei Tagen kündigte der Wetterbericht den Wintereinbruch an, mit starken Windböen, Schneefällen und  überfrierender Nässe. Nahmen die Menschen die Warnungen ernst? Es war ein Verkehr wie an jedem Freitagmorgen, nicht mehr und nicht weniger. Auf dem ...weiter

Klassentreffen

Unentschlossen  blickte sie auf die Einladungskarte. Noch hatte sie genug Zeit, sich  fertig zu machen und hinzufahren. Wollte sie das? Hin- und her gerissen zwischen Neugier und  Lustlosigkeit ging sie in Gedanken durch, was und wen sie dort erwartete. Selten hatte sie sich die Frage gestellt, was aus all denen geworden war, mit denen sie heute vor zwanzig Jahren das Abitur gemacht hatte. ...weiter

Spontan sein

Die innere Stimme bahnt sich mühsam ihren Weg nach außen. Es ist wie ein Hürdenlauf, denn so wie wir innerlich denken, dürfen wir noch längst nicht immer reden. So werden wir erzogen, so wird es uns gelehrt. ‘Ich-’ anstelle von ‘Du-Botschaften’, konstruktive statt destruktiver Kritik, Sachlichkeit vor Emotionalität, Einhaltung von Feedback-Regeln. Wenn der innere ...weiter

Wenn die Seele baumelt

Das Rauschen des Meeres nahm all ihre Sinne gefangen. Sie sah sich am  feinsandigen Strand  liegen, den Blick auf die Unendlichkeit des Meeres gerichtet. Das Geräusch der herantosenden Wellen wurde hin und wieder durch das aufgeregte Schreien der Möwen unterbrochen, die keck ihre Runden über ihr drehten. Sie verlor jegliches Gefühl für Zeit und Raum. Selbst ihren Körper spürte sie kaum ...weiter

Claras kleines Familienunternehmen (4)

Julia. Clara legte den Hörer auf. Ihr mütterlicher Instinkt ließ alle Alarmglocken anschlagen. Sie nahm die Thermoskanne, goss sich eine Tasse Kaffee ein und setzte sich ins Wohnzimmer. Immer, wenn sie angestrengt nachdachte, bildete sich eine längliche Kerbe zwischen ihren fein geschwungenen Augenbrauen besonders prägnant aus. Ihre Älteste hatte sich telefonisch fürs Wochenende ...weiter

Der Rosenstrauß

Ihr neues Buch nahm sie so gefangen, dass sie das Öffnen der Haustür überhörte. Erst als sich ein großer Strauß roter Rosen in der Wohnzimmertür zeigte und im Hintergrund Norberts graue Schläfen sichtbar wurden, blickte sie erschrocken auf. „Tut mir Leid, Schatz, dass es wieder später geworden ist.“ Der duftende Rosenstrauß näherte sich dem Sofa. Norbert gab ihr einen innigen ...weiter

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