Käthe und Anton
Müde saß er am Küchentisch und legte das Gesicht in seine runzligen Hände. Seit Tagen saß ihm ein Kloß im Hals, der wie ein Abzess von Tag zu Tag dicker wurde. Wie sollte es weitergehen? Verstohlen wischte er sich über die feuchten Augen, denn Käthe kam in die Küche. Sie sollte seine Tränen nicht sehen. „Wollen wir essen? Es ist alles fertig.“ Er nickte ihr freundlich zu, erhob ...weiter
Unentrinnbar
“Du bist nicht die Frau, mit der ich weiterhin leben will, das hat sich hier für mich alles erledigt. Du hast dich so verändert.” Worte von dir, die mein Herz in tausend Stücke reißen. Ich bin fassungslos, weiß, dass es nicht lohnt, all die Scherben zusammenzusetzen, die da jetzt vor uns liegen. Seit Jahren bemühst du dich darum, Arbeit zu finden. Seit Jahren bemühe ich ...weiter
Mr. Blaubart
“So schnell vorbei deine große Liebe?”, fragte Nora erstaunt, “du wolltest doch die ganzen Semesterferien bleiben. Was ist passiert?” Sie umarmte mich liebevoll und fürsorglich bei der Begrüßung. “Komm, ich koche uns einen Tee und dann erzählst du.” Tränen schossen mir in die Augen, ich schniefte ein bisschen. “Tee ist heute für mich nicht das ...weiter
Mit Männern Schluss zu machen
Sie gehörte zu den Frauen, die alles konnten, alles wussten und das Meiste auch noch viel besser wussten als andere. So richtig gerne unterhielt sich niemand mit ihr. “Du, mit Männern Schluss zu machen, ist irgendwie einfacher als mit Frauen”, sagte sie zu mir im Vorbeigehen. Ich stutzte nicht nur über diese Aussage, sondern auch darüber, dass sie um diese Uhrzeit am ...weiter
Der Rosenstrauß
Ihr neues Buch nahm sie so gefangen, dass sie das Öffnen der Haustür überhörte. Erst als sich ein großer Strauß roter Rosen in der Wohnzimmertür zeigte und im Hintergrund Norberts graue Schläfen sichtbar wurden, blickte sie erschrocken auf. „Tut mir Leid, Schatz, dass es wieder später geworden ist.“ Der duftende Rosenstrauß näherte sich dem Sofa. Norbert gab ihr einen innigen ...weiter
Lavendelehe
Sie hatte ganz ruhig zugehört, ohne auch nur einen Ton zu sagen. Schweigend sah sie mich an. “Dann sind wir jetzt sozusagen verlobt?”, fragte sie zaghaft. “Naja, so in der Art, wir werden sehr schnell heiraten”, antwortete ich geschäftsmäßig kühl. “Und Kinder?” - “Keine Kinder”, gab ich knapp zurück. Sie senkte ihren Blick und ich hörte ein ...weiter
…und Tracy Chapman singt von der Liebe
Nach unserem ersten gemeinsamen Abend fuhren wir durch das nächtliche Hamburg. Du konzentriertest dich auf die Straße - verstohlen sah ich dich von der Seite an - mich hatte es voll erwischt! Wir schwiegen. Tracy Chapmann sang - und ich dachte: ‘Wenn im Text jetzt noch irgendetwas mit LOVE kommt, ehe ich aussteige, dann wird’s was mit uns.’ Zehn Jahre war was mit uns. Wieder ...weiter
Traumhafter Briefwechsel
Ich fand die Briefe in einem dieser Umzugskartons mit der Aufschrift ‘Arbeitszimmer - unwichtig’, die nach unserem Einzug in das neue Haus mehrere Wochen ihr unbeachtetes Dasein unter der Treppe gefristet hatten. Wir waren endlich so weit fertig, dass nun auch die letzten Spuren des Umzugs beseitigt werden sollten. Die Briefe fielen aus einer Frauenzeitschrift, sie waren adressiert ...weiter
Erinnerung
Beim Aufräumen fiel es mir in die Hand – ein Bild dessen Farben schon fast verblasst waren und dennoch ließ es die Erinnerung in all ihren bunten Facetten wieder aufleben. Schon am ersten Tag, als wir uns zufällig mit einem gemeinsamen Freund in einem Cafe trafen, wusste ich beim Blick in deine blauen Augen, dass es nicht bei diesem einen Treffen bleiben würde. Ich weiß heute nicht ...weiter
Hand in Hand
“Komm, das schaffen wir noch…” Ich umschloss ihre Hand ein wenig fester, spürte aber in diesem Moment nicht ihre Unentschlossenheit und lief los. Hand in Hand - wir beide - fast 35 Jahre lang. Was für eine schöne und faszinierende Studentin warst du, als wir uns kennen lernten. Nie hatte ich es für möglich gehalten, einen Menschen so lieben zu können und dass unsere ...weiter


